Kommentar

Hinter den Erwartungen

Marc Stevermüer zur Saison der Löwen

Irgendwann musste solch ein Jahr mal kommen. Das sagten die Verantwortlichen der Rhein-Neckar Löwen zuletzt häufiger, um eine Saison der Enttäuschungen zu erklären. Das Final Four im Pokal wurde verpasst, der anvisierte Sprung ins Viertelfinale der Champions League ebenso. Und in der neuen Runde sind die Badener noch nicht einmal in der Königsklasse dabei. Kurzum: Der zweifache deutsche Meister erreichte kein einziges Saisonziel.

Gewiss: Der vierte Platz in der Liga ist angesichts der starken Konkurrenz keine Katastrophe, nach den erfolgreichen Jahren zuvor gibt es außerdem so etwas wie einen Kredit, den sich eine Mannschaft erspielt hat – zumal es auch keinesfalls an der Einstellung lag, dass die Löwen hinter ihren Erwartungen blieben. Sie waren schlichtweg nicht gut genug. Und genau daraus müssen sie ihre Lehren ziehen.

Dies bedeutet auf keinen Fall, alles infrage zu stellen, auch blinder Aktionismus hilft nichts. Ein vorzeitiger Transfer von Romain Lagarde, der 2020 sowieso kommt, hingegen schon. Das wissen auch die Löwen, die mit zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg ihre eigene Messlatte sehr hoch gelegt und nun gerissen haben. Das hat allerdings gar nichts mit einem Fluch der guten Tat zu tun. Es ist ja mittlerweile angesichts des Kaders auch der Anspruch der Badener, stets um alle Titel zu spielen.

Probleme auf Halbpositionen

Doch davon waren sie in dieser Saison weit entfernt. Die Löwen kassierten bislang 16 Minuspunkte – so viele wie lange mehr. Und sie verloren alle vier Spiele gegen Spitzenreiter Flensburg und den Tabellenzweiten THW Kiel, was ebenso wenig Zufall ist wie das jeweils unglückliche Aus in Pokal und Champions League. Denn wiederkehrendes Pech ist auch eine Qualitätsfrage, die mit Blick auf die Halbpositionen gestellt werden muss.

Mads Mensah Larsen spielte nach sehr guter Vorsaison wie schon in den Jahren zuvor: zu häufig durchschnittlich. Filip Taleski hat den Talentstatus nicht verlassen, Neuzugang Steffen Fäth kämpfte mit Anlaufschwierigkeiten. Routinier Alexander Petersson bekam wieder zu wenig Entlastung, weil es bei Vladan Lipovina nicht für höhere Aufgaben reicht. Der Montenegriner war der nächste Profi in einer Reihe von Not-Zugängen seit 2017, die dem Club mit ihren Einjahresverträgen wenig geholfen haben.

Kurzum: Bei ihren Transfers müssen die Löwen wieder besser werden, der Blick Richtung 2020 mit den feststehenden Verpflichtungen der Hochkaräter Lagarde und Albin Lagergren macht da Hoffnung. Erst recht, wenn Lagarde schon in diesem Sommer kommt.

 
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