Kommentar

Hochmut des Hochbegabten

Archivartikel

Marc Stevermüer zur Suspendierung von Max Meyer

 

Er galt einmal als Versprechen auf die Zukunft. Max Meyer, der Junge aus dem Pott, brachte alles mit, um zu einer Schalker Identifikationsfigur zu werden. Nun wird der gebürtige Oberhausener das königsblaue Trikot nicht mehr tragen. Der Mittelfeldmann wurde suspendiert, dem Club blieb nach den haltlosen Mobbing-Vorwürfen des 22-Jährigen auch gar keine andere Wahl. Vor allem aber hat sich der Nationalspieler mit seinem unsäglichen Interview selbst aus dem Spiel genommen.

24 Bundesligapartien hat Meyer in dieser Saison bestritten. Im Winter wurde ihm eine Vertragsverlängerung mit einem fürstlichen Jahresgehalt von mehr als fünf Millionen Euro angeboten. Ganz ehrlich: Mit Mobbing vonseiten der Vereinsverantwortlichen hat das nicht sonderlich viel zu tun. Meyer sieht es trotzdem anders, was einerseits mit maßloser Selbstüberschätzung und nicht vorhandener Selbstkritik zu erklären ist, anderseits aber auch mit seinem Berater Roger Wittmann zu tun haben dürfte. Das Verhältnis zwischen dem Spieleragenten und Schalkes Manager Christian Heidel gilt gelinde gesagt als belastet. Und es wurde erst recht nicht besser, als Wittmann davon erfuhr, dass die Schalker ihrem Mittelfeldkämpfer Leon Goretzka eine wesentlich bessere Offerte unterbreiteten als seinem Zögling Meyer – was man angesichts der gezeigten Leistungen beider Spieler in den vergangenen Jahren aber nur allzu gut verstehen konnte. Denn konstant gut spielte Meyer nie, obwohl er das ziemlich sicher anders empfand und sich wohl auch deshalb in das Machtspiel seines Beraters hat hineinziehen lassen.

Selbstverliebte Ich-AG

Gebracht hat ihm das erstmal nur Nachteile: Die selbstverliebte Ich-AG wurde suspendiert und steht nun mit seinem arg ramponierten Image in einer Reihe mit Skandalprofis wie Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang, die ebenfalls ihr Ego über die Interessen des Vereins stellten. Kurzum: Meyer ist der große Verlierer, obwohl er eigentlich ganz genau hätte wissen müssen, was Loyalität und Demut bedeuten. Denn daran wurde die Diva aus Oberhausen immer erinnert, wenn sie das Trikot mit der Nummer sieben überstreifte. Vor ihr trug ein gewisser Raúl dieses Shirt. Die spanische Legende war ein Vorbild auf dem Platz – und auch daneben. Meyer sollte sich schämen, dass er sich vom bescheidenen Superstar so rein gar nichts abgeschaut hat.

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