Kommentar

Hochmut vor dem Fall

Finn Mayer-Kuckuk über den Rückschlag für Apple

Wem es gut geht, der ruht sich erst einmal auf dem Erreichten aus – das gilt auch für den Technik-Konzern Apple. Solange sich das iPhone zu beliebigen Preisen verkaufte, solange Millionen von wohlhabenden Chinesen kein anderes Smartphone akzeptierten, gab es keinen Grund für Veränderungen. Jetzt scheint das lange so erfolgreiche Geschäftsmodell zu bröckeln.

Eigentlich sollte sich die Überraschung in Grenzen halten: Die Marktanteile in der Handy-Welt verschoben sich schon immer besonders leicht. Siemens Mobile, Motorola, Nokia, Blackberry, Sony Ericsson, HTC – sie alle trugen bereits mit mindestens einem Modell die Krone des Marktführers. Heute sind sie schon fast wieder vergessen: Die Hersteller haben Trends verpasst, weil sie sich an ihre vermeintlichen Stärken klammerten, wurden von der Konkurrenz überholt und überraschend schnell vom Kunden abgehakt.

Apple schien die Ausnahme zu sein, doch die Warnzeichen waren unübersehbar. Im vergangenen Jahr stagnierte der iPhoneAbsatz, Konzernchef Tim Cook verbreitete da noch Optimismus: Rückläufige Verkaufszahlen könne er durch höhere Preise auffangen – Hochmut kommt vor dem Fall. Die jüngste Absatzrückgang offenbart nun: Die Kunden waren nicht bereit, die überzogenen Preise von bis zu 1600 Euro für neue Modelle hinzulegen. Apple muss seinem Ruf wieder gerecht werden, wirklich neuartige und hilfreiche Elektronik herzustellen, statt nur die Preisschraube für das Immergleiche anzuziehen.