Kommentar

Höchste Zeit

Jan Kotulla zur Protestbewegung der US-Fußballerinnen

Stark! Megan Rapinoe hat die Ungerechtigkeit satt und nutzt ihre Position als Kapitänin der US-Fußball-Nationalmannschaft, um ihrer Forderung nach gleicher Bezahlung Nachdruck zu verleihen. Das Leistungsprinzip ist ein Hauptbestandteil des Sports und in der DNA der Vereinigten Staaten wohl so tief verankert wie in kaum einem anderen Land. Doch während die US-Kicker als bislang größten Erfolg den Einzug ins WM-Halbfinale vorweisen können – das war 1930 –, haben sich ihre Kolleginnen bereits vier Mal zu Weltmeisterinnen gekrönt.

Doch nicht nur die US-Funktionäre müssen endlich aufwachen. Der DFB ist kaum besser. Im Vorfeld der Frauen-WM bügelten die Offiziellen kernige Aussagen von Spielführerin Alexandra Popp zur Gleichberechtigung so glatt, dass man sich die Augen reiben musste. Dabei hatte Sponsor Commerzbank doch mit seinem frechen Werbespot unter anderem mit der Aussage, „wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze“ ein viel beachtetes Signal gesendet. Immerhin, es gibt für Erfolge nicht mehr das Kaffee-Service, dass die Spielerinnen 1989 (!) für den ersten EM-Titel erhielten.

Kritiker gleicher Prämien verweisen meist auf die Unterschiede beim Marktwert und den Zuschauerzuspruch. „Ja! – aber“, kann man da nur sagen. Denn die Bedingungen bei den Sportlerinnen und Sportlern sind unterschiedlich. Die Männer verdienen in ihren Vereinen fast schon unanständig hohe Summen, mit Geld sollten sie sich eigentlich nicht mehr für Einsätze im Nationaltrikot locken lassen müssen. Was wäre das für ein Zeichen, wenn „Jogis Jungs“ von sich aus für einheitliche Prämien eintreten würden! Es wäre eigentlich höchste Zeit.

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