Kommentar

Höchste Zeit

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Gelb gegen meckernde Trainer, Verwarnungen für Spieler, die den Ball wegschlagen oder den Linienrichter angehen – viel wird momentan über die neue Linie der Schiedsrichter im Profi-Fußball diskutiert, die Unsportlichkeiten an der Wurzel bekämpfen soll. Doch das ist die falsche Diskussion. Vielmehr darf man sich fragen, warum es überhaupt solange gedauert hat, bis endlich klare Grenzen gesetzt werden.

Andere Sportarten sind da schließlich schon jahrzehntelang viel weiter. Im Rugby dürfen beispielsweise nur die Spielführer mit dem Referee sprechen – und das auch nur nach Aufforderung. Im Basketball gibt es konsequent sogenannte technische Fouls gegen die Bank oder Spieler, wenn Emotionen übers Ziel hinaus schießen. Und im Handball wird der Ball bei einem Pfiff regelbedingt sofort abgelegt und Zeitstrafen wegen Meckerns sind die absolute Ausnahme.

Selbst in benachbarten Fußball-Ligen wie in England oder Italien ist das leidige Thema mittlerweile nur noch am Rande wahrnehmbar und warum hier gerade Deutschland eine Ausnahme machen soll, kann keiner der Kritiker einer harten Linie vernünftig erklären. Immer wieder wird von Emotionen palavert, die dazu gehören sollen. Die will natürlich niemand verbieten und sie machen den Sport aus. Doch dass den Emotionen für 90 Minuten der normale Umgang miteinander geopfert werden soll, steht nirgendwo geschrieben, sondern es haben sich bis in die Amateur- und Jugendklassen unpassende Verhaltensweisen etabliert, die gar nicht mehr hinterfragt wurden. Höchste Zeit, dass sich das auch mit Blick auf die Vorbildfunktion der höchsten Ligen endlich ändert.

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