Kommentar

Höchste Zeit zum Umdenken

Archivartikel

Steffen Mack zur Lage des Mannheimer Klinikums

Das Klinikum steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten. Dieser Satz ist in Mannheim seit Jahren eine ähnliche Neuigkeit wie, dass hier der Neckar in den Rhein mündet. Doch nun ist die Situation eine besondere. Die wirtschaftliche Lage des weitaus größten Krankenhauses der Stadt war schon vor Corona sehr beunruhigend, seit Ausbruch der Pandemie ist sie dramatisch.

Diesmal ist es müßig zu diskutieren, inwieweit die Schwierigkeiten noch Spätfolgen des Hygieneskandals 2014/2015 sind, beziehungsweise den seither wechselnden Geschäftsführern anzulasten. In der Krise macht die Führung mit dem Ärztlichen Direktor Hans-Jürgen Hennes an der Spitze eine sehr gute Figur, das bestätigen auch sonst nicht immer Wohlmeinende. Das Klinikum hat seine von der Politik verordneten Hausaufgaben vorbildlich gemacht, ausreichend Intensivbetten für Corona bereitgestellt und – in enger Koordination mit den anderen Krankenhäusern und der Stadt – die zentrale Rolle bei der Bekämpfung des Virus eingenommen.

Umso bitterer ist die Kehrseite. Weil auf Geheiß aus Berlin alle nicht dringlichen Operationen abgesagt werden mussten, lagen viel zu lange jede Menge ungenutzter Kapazitäten brach. Die wirtschaftlichen Folgen muss die Bundesregierung für alle Krankenhäuser ausgleichen. Bisher hat sie das nur äußerst unzureichend getan. Ein größerer Rettungsschirm ist nicht in Sicht, zumal der Bedarf nach einem solchen in vielen Bereichen besteht.

Stadt ist dauerhaft überfordert

Das Land hat darauf reagiert und seinen vier Universitätskliniken jeweils rund 150 Millionen Euro bereitgestellt. Mannheim wurde, wegen der mit der Stadt geteilten Trägerschaft, nicht unter diesen Schirm genommen. Man kann geteilter Meinung sein, ob das systemisch richtig oder falsch war. Fakt ist: Stuttgart muss schleunigst auch dem Klinikum helfen, ebenso anderen Krankenhäusern der Maximalversorgung. Alles andere wäre mitten in einer Pandemie unverantwortlich.

Aber damit wird es nicht getan sein. Die Stadt ist mit dem Klinikum finanziell überfordert, das Land muss sich grundsätzlich stärker einbringen. Schließlich braucht es auch dringend die hiesigen Medizinstudenten, für die sich kaum andere Plätze fänden. Oberbürgermeister Peter Kurz scheint mittlerweile sogar bereit, die Teil-Trägerschaft der Stadt komplett aufzugeben. Das ist gut. Allerdings dürfte eine so weitreichende Lösung mitten in der Krise schwer zu erreichen sein. Aber höchste Zeit zum Umdenken ist nun für alle allemal.