Kommentar

Hoffnungslos überschätzt

Alexander Müller zur Krise beim 1. FC Köln

Es klang alles schlüssig. Ein Kader mit bereits vorhandener Erstliga-Substanz, der fantasievoll und auf den richtigen Positionen verstärkt wurde. Ein neuer Trainer, der im kleinen Regensburg mit seiner Spielidee und als Persönlichkeit überzeugt hatte. Drei Monate, einen Bundesliga-Fehlstart und eine Pokal-Blamage später steht beim 1. FC Köln wieder alles auf dem Prüfstand.

Die Anzeichen verdichten sich, dass sowohl die Qualität des vorhandenen Personals als auch die Fähigkeiten des Trainers Achim Beierlorzer, einen Großclub wie den FC zu managen, hoffnungslos überschätzt worden sind. Der in keiner Weise zu rechtfertigende desolate Pokal-Auftritt bei Regionalligist Saarbrücken hat Beierlorzers Position gravierend beschädigt – eine Niederlage im Derby in Düsseldorf am Sonntag dürfte den Franken bereits den Job kosten.

In der Krise rückt aber auch die Arbeit von Sportvorstand Armin Veh in den Fokus. Der frühere Eintracht-Trainer lag bereits bei Beierlorzers Vorgänger Markus Anfang daneben, den er kurz vor der Meisterschaft in der 2. Liga in der vergangenen Saison beurlaubte. Im Sommer tönte Veh dann, er habe einen bundesliga-tauglichen Kader zusammengestellt, der mit dem Abstieg sicher nichts zu tun haben werde. Das hat sich nach neun Spieltagen mit nur sieben Punkten als gewaltiger Trugschluss herausgestellt. Torhüter Timo Horn ist ein Schatten seiner selbst, die verhinderten Torjäger Anthony Modeste und Jhon Cordoba drückten in der Liga zuletzt die Bank, die Abwehr wackelt wie die Spitze des Kölner Doms bei Windstärke 12.

Viele Symptome erinnern an die letzte Abstiegssaison 2017/2018. Damals hielt der FC viel zu lange an Manager Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger fest – diesen Fehler wird der Club mit Sicherheit nicht wiederholen.

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