Kommentar

Hohe Erwartungen

Jürgen Berger zum Trainerwechsel beim VfB Stuttgart

Dass der VfB Stuttgart nach der von der Punkteausbeute her grandiosen Rückrunde der Vorsaison so schnell die Geduld mit dem krisenerprobten Tayfun Korkut verloren hat, verdeutlicht das Anspruchsdenken der Schwaben. Stolze 35 Millionen Euro hat das Bundesliga-Schlusslicht vor der Saison in den Kader investiert – das erhöht die Erwartungshaltung natürlich immens. Und Korkut konnte weder die nötigen Ergebnisse noch das erhoffte Erlebnis bieten. Der zentrale Kritikpunkt, der letztendlich zum Aus des früheren Hoffenheimer Jugendcoaches geführt hat, ist die fehlende spielerische Weiterentwicklung.

Korkut fand trotz zahlreicher Experimente kein funktionierendes Spielsystem, in dem die namhaften Neuzugänge zur Geltung kommen. Unter dem Strich muss sich der Ex-Profi – wie schon bei seinen vorherigen Stationen – den Vorwurf gefallen lassen, offensichtlich nicht den richtigen Plan zu besitzen, um mit einem Team langfristig den Schritt auf ein höheres Niveau zu machen. Korkut fehlten die Flexibilität und der Mut von seiner defensiv- orientierten Taktik abzuweichen, was auch bei Teilen seiner Profis für Unverständnis sorgte.

Reschke unter Druck

Von daher ist die Entscheidung von Michael Reschke, die Reißleine so früh zu ziehen, nachvollziehbar. Gleichzeitig hat der Sportvorstand, der mit seinem Vorsatz gescheitert ist, endlich Konstanz auf der Stuttgarter Trainerbank zu haben, den Druck auf seine Person erhöht.

Er hat die Kaderplanung federführend verantwortet und zunächst weiter auf Korkut gesetzt, obwohl die spielerischen Defizite bereits während der vergangenen Rückserie offensichtlich waren.