Kommentar

Hohes Kulturgut

Claudia Ihlefeld verteidigt im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse die Förderung von Literatur

Sollte man die Buchmesse nicht umbenennen in Medienmesse? Und das Buch aus dem Titel streichen? Nein, das Buch und damit das Lesen gehören zu den Kulturleistungen einer modernen Gesellschaft wie gutes Essen und Höflichkeit, Streitkultur und Respekt. Und dazu gehört auch das Buch in einer Zeit, in der die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Informationen und die rasende Taktung sozialer Medien zu einem scheinbaren Paradox führen: zur Sehnsucht nach Entschleunigung.

Natürlich kann der, dem es behagt, auch am Bildschirm oder Display lesen. Wurde vor fünf, sechs Jahren noch der Siegeszug des E-Books gepriesen, dümpelt in Deutschland sein Anteil um die fünf Prozent. Doch gibt es bei aller Liebe für den Text zwischen zwei Buchdeckeln nichts zu beschönigen: Nur 44 Prozent der erwachsenen Deutschen haben im vergangenen Jahr ein Buch gekauft, wenngleich überzeugte Leser mehr für ihre Lektüre ausgeben.

Gedrucktes Wort und Meinungsfreiheit sind ein hohes Gut. Als weltweit größte Buchmesse und Drehscheibe für Lizenzen versteht sich der Frankfurter Branchentreff auch als internationale Plattform für den politischen Diskurs. Unterhaltung, Information und Meinungsbildung – ob als klassisches Buch oder in seiner digitalen Variante: Der Handel hofft auf ein gutes Weihnachtsgeschäft, bis einschließlich September liegt der Buchmarkt noch 1,1 Prozent unter dem Vorjahr.

Alarmistisch tönen die Rufe, immer weniger Menschen würden lesen. Eine streitbare Gesellschaft verteidigt das Buch – auch finanziell. So wie öffentlicher Nahverkehr, Schwimmbäder, Theater, Orchester, Breitensport und Solaranlagen ohne Subventionen einpacken könnten, muss der Literaturbetrieb gefördert werden und die Buchpreisbindung bleiben.

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