Kommentar

Horrorszenario bleibt aus

Archivartikel

Frank Schumann zur Lage bei Daimler in Mannheim

Wenn Manager von „Maßnahmen zur Effizienzsteigerung“ sprechen und der „Verschlankung von Prozessen und Strukturen“, schrillen bei Belegschaften in aller Regel die Alarmglocken. Was Daimler-Chef Ola Källenius seinen Mitarbeitern im Zuge der neuen Konzernstrategie zumuten will, taugt bislang aber nicht als Horrorszenario. Die angekündigten Maßnahmen gehen eher als übliches Kosten- und Effizienzprogramm durch.

Für die Beschäftigten in Mannheim – wie in ganz Deutschland – gilt, dass sie sich in den anstehenden Verhandlungen über die konkrete Umsetzung von Källenius’ Vorgaben auf ihre Interessenvertreter verlassen können. Betriebsrat und Gewerkschaften werden guten Willen zeigen, wirklich harte Einschnitte aber ablehnen. In Mannheim sind drastische Sparmaßnahmen noch nicht in Sicht: Evobus ist mit dem Modell eCitaro erfolgreich in die Elektromobilität gestartet. Die Lkw-Sparte ist zwar konjunkturanfällig, doch Daimler will sich auf den Markt für schwere Lastwagen konzentrieren – mit Motoren, die auch aus Mannheim kommen.

Bei allem vorsichtigen Optimismus für das Werk und seine Beschäftigten bleibt jedoch ein Wermutstropfen: die Situation der Leiharbeiter. Ihre Zahl hat der Konzern zuletzt wegen der gesunkenen Lkw-Nachfrage reduziert. Zeitarbeiter sind und bleiben damit die menschliche Verschiebemasse, die Stammbelegschaften – nicht nur bei Daimler – über unruhige Phasen hinwegretten.