Kommentar

Ignorieren keine Option mehr

Archivartikel

Ulrike Bäuerlein hält Muhterem Aras’ Schritt für mutig

Erneut wird eine Spitzenpolitikerin im Netz massiv angegangen und bedroht. Dass die baden-württembergische Landtagspräsidentin Aras das Ausmaß der Hasskriminalität gegen sie öffentlich macht und juristisch dagegen vorgeht, ist ebenso mutig wie unerlässlich. Mutig deshalb, weil Gegenwehr häufig die Heftigkeit von Attacken noch verstärkt und Aras dies bewusst in Kauf nimmt. Und unerlässlich deshalb, weil der Mordfall Lübcke gezeigt hat, wie schnell Hasskommentare und der Aufruf zu Gewalttaten via Internet die Hürde zu Handlungen im echten Leben überspringen. Ignorieren ist da keine Option mehr.

In Muhterem Aras bündelt sich für viele aus dem rechten, deutschtümelnden und hauptsächlich von Männern bevölkerten Milieu das Feindbild schlechthin: Frau, Grünen-Politikerin, Migrationshintergrund, beruflich als Unternehmerin wie politisch in ihrer Partei erfolgreich und in einem Amt tätig, in dem sie Männern das Wort erteilen oder entziehen kann. Eine Frau, die für das moderne, demokratische Deutschland steht.

Das ist für manche offenbar so unerträglich, dass sie nicht einmal vor dem Aufruf zu Straftaten zurückschrecken. Es ist jetzt nicht nur an den Strafverfolgungsbehörden, die anonymen Brandstifter aus dem Netz an die Öffentlichkeit und vor die Gerichte zu ziehen. Es ist auch an jedem Einzelnen, klar gegen Hass und für die Grundwerte der Demokratie Position zu beziehen.