Kommentar

Im Abseits

Marc Stevermüer zur Trennung der ARD von Mehmet Scholl

 

Ein polarisierender Freigeist war er schon immer, dieser Mehmet Scholl. Als Fußballer und als TV-Experte. Hier ein feines Dribbling, da ein spitzer Spruch. Dafür mochte, dafür schätzte man ihn. Beim Confed Cup hat der Ex-Nationalspieler aber schlichtweg seinen Job nicht gemacht.

Das Thema Doping der russischen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2014 habe nichts in der Sendung verloren und keine Relevanz, meinte der 46-Jährige. Ganz ehrlich: Wer so etwas am Rande eines Fußballturniers in Russland mit der russischen Nationalmannschaft und nach all den Enthüllungen im McLaren-Report über das von Moskau aus verordnete Staatsdoping behauptet, der kann kein Experte mehr sein und hat sich - um im Fußballjargon zu bleiben - ins Abseits gestellt.

Mehr als Plauderei

Die Trennung von der ARD ist deshalb die logische Konsequenz, denn Scholl hat seine Rolle falsch verstanden. Ein Experte bestimmt die Themen nicht, sondern ordnet sie ein. Das kann dann auch schon mal anspruchsvoller als Plauderei oder die reine Spielanalyse sein - was er übrigens beides ziemlich gut beherrscht.

Doch beim Confed Cup hat sich der gebürtige Karlsruher aus der Verantwortung gestohlen. Man könnte auch sagen: Der sonst so kesse Scholl zog den Schwanz ein, was man ansonsten eher nicht von ihm kannte. Mario Gomez war schon Opfer seiner beißenden Ironie, Bundestrainer Joachim Löw wurde bei der EM 2016 knallhart kritisiert. Aber am Thema Doping im Fußball hat Scholl kein Interesse, was dann ziemlich schade ist, weil es oft verharmlost wird und eben doch eine Relevanz hat.

Keine Oase

Den Namen Armin Klümper, der den SC Freiburg und den VfB Stuttgart in der 70er und 80er Jahren mit Anabolika versorgt haben soll, hat Scholl sicherlich schon einmal gehört. Auch Eufemiano Fuentes dürfte ihm ein Begriff sein. Der Blutpanscher stand nachweislich in Kontakt zu spanischen Vereinen. Außerdem gibt es da noch den vermeintlichen Saubermann Pep Guardiola, der als Spieler positiv auf Nandrolon getestet wurde. Und auch der Fall Juventus Turin ist bekannt. Ein italienischer Richter attestierte dem Club systematisches Doping in den 90er Jahren.

Es sollte also niemand glauben, der Fußball sei eine Oase. Erst recht nicht nach den Enthüllungen um den Sport in Russland. Diese Fakten kann man anerkennen und einordnen - oder sie ignorieren. Aber dann hat man im Fernsehen als Experte nichts mehr zu suchen.

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