Kommentar

Im Dienste der Industrie

Tatjana Junker zur Kennzeichnung von Lebensmitteln

Ampeln, Kreise, Tabellen: Über eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln wird in Deutschland seit mehr als zehn Jahren diskutiert. So lange kämpfen Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherschutzorganisationen schon darum, dass für Supermarktkunden beim Blick auf die Verpackung schnell und klar erkennbar ist, wenn in einem Produkt besonders viel Zucker, Salz oder Fett steckt – bisher vergeblich.

Dabei liegen die Argumente auf der Hand. Krankheiten, die durch Übergewicht und falsche Ernährung entstehen, kosten die Krankenkassen jährlich Milliarden. Kinder- und Jugendärzte schlagen immer wieder Alarm, weil selbst viele kleine Patienten häufig schon zu dick sind. Auch Umfragen, die zeigen, dass sich gerade Eltern eine einfache und verständliche Kennzeichnung wie zum Beispiel die umstrittene Lebensmittel-Ampel wünschen, gibt es schon lange.

Was aus Verbrauchersicht sinnvoll wäre, ist also seit Jahren klar – leider war bisher nur keiner der zuständigen Minister bereit, das gegenüber der mächtigen Lebensmittelindustrie durchzusetzen. Auch die amtierende Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner nimmt derzeit lieber noch einmal Geld für weitere Umfragen in die Hand, statt endlich durchzugreifen. Welches Modell auch immer sich dabei durchsetzen mag: Die Bundesregierung wird dafür nur eine Empfehlung abgeben. Ob die Unternehmen die Kennzeichnung übernehmen, steht ihnen auch künftig völlig frei.