Kommentar

Im Schneckentempo

Stefan Vetter findet, dass Kinderarmut durch ganz gezielte Hilfen bekämpft werden muss.

An Initiativen zur Verbesserung der Lage der Kinder hat es in den letzten Jahren nicht gemangelt – vom Teilhabepaket über das „Gute-Kita-Gesetz“ bis hin zum „Starke-Familien-Gesetz“ ist einiges in Bewegung gekommen. Trotzdem ist der Fortschritt eine Schnecke. Das zeigt auch die Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zur Situation der Jüngsten. Viel zu viele von ihnen leben nach wie vor in ärmlichen Verhältnissen. Und in der Corona-Krise verschärfen sich diese Zustände.

Darauf hat der Staat insofern reagiert, als dass der einmalig gewährte Kinderbonus von 300 Euro auch an Hartz-IV-Familien gezahlt wird, ohne ihnen die Grundsicherung zu kürzen. Freilich ist auch das kaum mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Erneut wird nun der Ruf nach einer staatlichen Kindergrundsicherung laut. Das klingt gut und wünschenswert, ist aber kein Allheilmittel. Mindestens genauso wichtig wären zielgerichtete Hilfen. Gutscheine etwa, die nur für den Kita-Besuch eingelöst werden können, oder für eine Teilnahme an nachhaltiger außerschulischer Förderung. Kinderarmut ist häufig auch elterliche Bildungsarmut, die sich auf die nächste Generation überträgt. Wer einmal arm ist, bleibt es meist. Gerade in Deutschland, wo die soziale Herkunft über den Bildungserfolg entscheidet wie in kaum einem anderen Industriestaat. Dieser leistungsfeindliche Automatismus muss endlich durchbrochen werden.