Kommentar

Thomas Spang hält die aufgedeckten Steuerschulden von Donald Trump zumindest für wenig hilfreich bei seiner Wiederwahl

Imageschaden

Archivartikel

Thomas Spang hält die aufgedeckten Steuerschulden von Donald Trump zumindest für wenig hilfreich bei seiner Wiederwahl

Donald Trump hatte gute Gründe, seine Steuererklärungen vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Denn diese weisen den Präsidenten als das Gegenteil des sorgfältig kultivierten Images eines sagenhaft erfolgreichen Geschäftsmanns aus. Trump war und bleibt ein Bankrotteur, der erst das Vermögen seines Vaters und dann sein eigenes vor die Wand fuhr. Die von der „New York Times“ ausgegrabenen Steuerdaten der vergangenen zwei Jahrzehnte belegen, dass der Präsident mit mehr als 421 Millionen Dollar in der Kreide steht. Schulden, für die er persönlich haftbar ist.

Diese werden innerhalb der kommenden vier Jahre fällig und könnten Trump zum siebten Mal in seiner Laufbahn Gläubigerschutz suchen lassen. Die offene Frage bleibt, wem er das Geld schuldet und wer für seine Verbindlichkeiten bürgt. Leider geben die Steuerunterlagen darauf keine Antwort.

Die Vermutung steht im Raum, dass sich unter den Gläubigern russische Oligarchen, türkische Geschäftsleute und Investoren aus den Golfstaaten finden, die allesamt gut mit ihren despotischen Regierungen vernetzt sind. Da sich Trump nach seiner Wahl 2016 nicht von seinen Geschäften trennte, erweist sich der Präsident als wandelnder Interessenkonflikt im Weißen Haus. Nachweislich benutzen Lobbyisten, ausländische Regierungen und andere Organisationen die Hotels und Golfplätze des Präsidenten als Hebel, Zugang und Gehör beim mächtigen Mann zu bekommen. Bis hin zu angemieteten Zimmern, die niemand bezieht.

Dass Trump finanziell mit dem Rücken zur Wand steht, bietet sich als mögliche Erklärung für seine fragwürdige Nähe zu Wladimir Putin, Recep Erdogan und Mohammed bin Salman an. Während das nicht bewiesen ist, geben die Steuerdaten jeden Anlass zur Sorge, Trump könnte erpressbar oder käuflich sein. Ob die Enthüllungen auf der Zielgeraden im Wahlkampf einen Unterschied machen, lässt sich nur schwer abschätzen. Trumps Anhänger wird vermutlich auch das nicht beeindrucken. Vielleicht bewegt es ein paar Unentschlossene, die Trump bisher gut für die Wirtschaft hielten. In jedem Fall wird es dem Präsidenten auf der Zielgeraden vor der Wahl am 3. November nicht helfen. Dass er in zehn der letzten 15 Jahre nicht einen Cent an Einkommenssteuer an das Bundesfinanzamt IRS überwiesen hat, schadet seinem Image so sehr, wie ihn die 70 000-Dollar-Abschreibung für die Herrichtung seiner blondierten Föhnwelle zur Lachnummer macht.