Kommentar

Immenses Risiko

Archivartikel

Katrin Pribyl über den Giftanschlag in Südengland

 

Erst vier Monate ist es her, dass der ungeheuerliche Skripal-Fall das Königreich in Atem hielt. Alles klang wie aus einem Kriminalroman, nur dass die Realität die kühnste Fiktion übertraf. Auf britischem Boden wurden ein ehemaliger russischer Doppelagent und seine Tochter Opfer eines Nervengas-Anschlags. Das allein ist ein Skandal. Was aber bereits damals nicht nur verstörte, sondern Furcht einflößte, war das immense Risiko, dem die Bevölkerung durch den Einsatz eines verbotenen chemischen Kampfstoffes inmitten eines englischen Städtchens ausgesetzt wurde.

Nun scheinen die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden zu sein. Unschuldige, unbeteiligte Bürger wurden vergiftet, vermutlich aus Versehen. Hat das Paar ohne Absicht kontaminierte Handschuhe oder Kleidung des noch immer unbekannten Täters gefunden und berührt? Die Menschen in der Region machen sich zurecht Sorgen. Umso mehr, als dass die Behörden stets betonten, das Gesundheitsrisiko für die Öffentlichkeit sei gering und der Alltag könne wie gewohnt fortgeführt werden. Dieser Empfehlung folgte das britische Pärchen offenbar, nun ringen die beiden mit dem Tod. Auch für die lokale Wirtschaft der pittoresken Gegend, die stark vom Tourismus abhängt, sind die aktuellen Entwicklungen eine Katastrophe. Gerade erst hat sie sich halbwegs von den Auswirkungen der Negativ-Schlagzeilen erholt, die der Skripal-Fall produziert hat. Das Vertrauen ist zerstört. Und während viele Menschen in und um Salisbury vor allem Angst verspüren, wirkt das Königreich ratlos.

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