Kommentar

DFB-Kommentar

Imponierende Bilanz

Archivartikel

Alexander Müller zur WM-Qualifikation der DFB-Elf

 

Zugegeben: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat in ihrer Geschichte schon weitaus schwerere Qualifikationsgruppen bewältigen müssen. Nordirland bei aller Mentalität fußballerisch limitiert, Tschechien im historischen Tief, Norwegen nicht konkurrenzfähig, dazu mit Aserbaidschan und San Marino eine kleine und eine zwergenhafte Fußball-Nation. Aber nach dem rumpeligen Vorausscheid für die vergangene EM in Frankreich hat die DFB-Elf auf dem Weg nach Russland 2018 eine imponierende Bilanz erzielt, die bei den Rivalen um den Titel registriert werden dürfte. Wenn am Sonntag in Kaiserslautern der Pflichtsieg gegen Aserbaidschan gelingt, steht sogar die perfekte Ausbeute von zehn Siegen aus zehn Spielen zu Buche - und das bei einem überragenden Torverhältnis.

Was das für das Turnier im kommenden Sommer bedeutet? Wenn der Weltmeister an sein Leistungslimit herankommt, wird Deutschland die Mannschaft sein, die es zu schlagen gilt, wenn es um den Titel geht. Bundestrainer Joachim Löw hat, auch unter gütiger Mithilfe des zuvor belächelten Confed Cup, den Umbruch geschafft, der nach dem WM-Erfolg 2014 im Triumphgefühl ein wenig verschlafen wurde. Die Konkurrenzsituation hat sich erheblich verschärft, beide Außenverteidiger-Positionen sind zwar dünn, aber erstmals seit Urzeiten halbwegs zufriedenstellend besetzt - und mit Timo Werner hat Löw sogar den seit Miroslavs Kloses Rücktritt vermissten zentralen Angreifer gefunden, der vom klassischen Stoßstürmer Sandro Wagner um eine weitere Option ergänzt wird.

Gerade im Mittelfeld wird es bei den Plätzen im WM-Kader, sofern alle fit sind, echte Härtefälle geben. Toni Kroos, Sami Khedira, Emre Can, Sebastian Rudy, bald vielleicht auch wieder Mario Götze, Julian Weigl und Ilkay Gündogan - die Auswahl auf gehobenem und höchstem Niveau ist riesig.

Frankreich als Warnung

Die Chancen für eine erfolgreiche Titelverteidigung in Russland sind groß, aber die zurückliegende EM sollte Warnung genug sein. Auch in Frankreich stellte der DFB das beste Team, doch gerade in der K.o.-Phase kann ein personeller Fehlgriff (damals Schweinsteiger im verlorenen Halbfinale gegen den Gastgeber) in Kombination mit mangelndem Spielglück schnell zum Scheitern führen. Und wie stark das deutsche Team wirklich ist, wird sich ohnehin erst in den direkten Duellen auf Augenhöhe gegen Spanien, Frankreich und vielleicht Brasilien zeigen. Ernsthafte Härtetests musste die Löw-Elf in der Qualifikation zumindest nicht bewältigen.

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