Kommentar

In Amt ohne Würden

Archivartikel

Madeleine Bierlein ist der Meinung, dass endlich auch der Hauptverantwortliche für die Heidelberger Bluttest-Affäre gehen muss

Nun also doch. Die Vorstände des Heidelberger Universitätsklinikums Annette Grüters-Kieslich und Irmtraut Gürkan ziehen die Konsequenzen aus der Affäre um die voreilige Präsentation des Heidelberger Bluttests und treten zurück. Das ist nur folgerichtig, denn schließlich waren sie – genau wie der einstige Dekan Andreas Draguhn – von Anfang an in die Präsentation des Tests mit ihren haltlosen Versprechungen eingebunden.

Doch zum personellen Neuanfang fehlt ein entscheidender Schritt. Christof Sohn, der Chefarzt der Universitätsfrauenklinik, ist noch immer im Amt. Derjenige also, der den Test in einem Interview und bei einem Ärztekongress entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen als „Meilenstein“ anpries, der Frauen damit unbegründet Hoffnung machte und der sogar den Exzellenzstatus der Universität in Gefahr brachte. Kurzum: Derjenige, den die unabhängige Expertenkommission als Hauptverantwortlichen für die Affäre identifiziert hat.

Während die Vorstände reihenweise gehen, schweigt Sohn noch immer. Das Beamtenrecht und die Freiheit der Wissenschaft schützen ihn – noch. Wenn es dem Universitätsklinikum ernst ist mit der Aufklärung, dann muss nun ein Disziplinarverfahren gegen den Chefarzt eingeleitet werden. Besser noch: Sohn sieht endlich ein, dass er aus Eitelkeit einen verheerenden Schaden angerichtet hat – und geht selbst. Besser spät als nie.

 
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