Kommentar

In bitteren und guten Zeiten

Archivartikel

Peter Reinhardt über den Erfolg des Porsche-Betriebsratschefs

Uwe Hück ist der Prototyp jener Gewerkschafter, die sich aus einfachsten Verhältnissen mit Hauptschulabschluss nach oben gearbeitet haben. Karrieren vom Kinderheim an die Konzernspitze waren schon immer die Ausnahme. Um solche Aufsteiger haben sich die Gewerkschaften immer bemüht, weil sie für das Wir-Gefühl bei den Arbeitnehmern unverzichtbar sind. Bei Hück kam das rhetorische Talent dazu, mit dessen Hilfe er Versammlungen aufmischen, aber auch unangenehme Entscheidungen verkünden konnte. Nach vielen Rekordjahren ist in Vergessenheit geraten, dass Porsche in den 90er Jahren vor der Pleite stand und Sozialpläne aufstellen musste. Hück hat bittere Zeiten erlebt und in guten für seine Mannschaft viel herausgeholt.

Hück verdankt seinen Aufstieg zu einem der bekanntesten Arbeitnehmervertreter der Republik aber genauso seinen politischen Paukenschlägen. Als die IG Metall wochenlang in einem Führungsstreit gelähmt war, brachte er sich kurzerhand selbst als Vorsitzenden ins Gespräch. So groß war die Not dann doch nicht, dass man den Sponti aus Stuttgart haben wollte. Unvergessen sind auch seine Auftritte mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder, mit dem ihn die Aufsteiger-Biografie verbindet. Man kann gespannt sein, wo der frühere Boxer künftig aufschlagen wird.

 
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