Kommentar

In der Hauptrolle

Werner Kolhoff appelliert an Angela Merkel und Emmanuel Macron, das westliche Bündnis und Europa zusammenzuhalten

 

Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen, sagte einst der SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Wehner. Müssen tut freilich keiner, auch Donald Trump nicht.

2019 hat Frankreich die G7-Präsidentschaft, und Emmanuel Macron wird nach Biarritz einladen. Die US-Amerikaner können sich dann entscheiden, ob sie kommen. Im übernächsten Jahr aber haben sie selbst den Vorsitz. Dann schlägt für dieses Gipfelformat die Stunde der Wahrheit.

Die G7 sind eine Runde der wichtigsten demokratischen Staaten, die dort bisher ihre Wirtschafts- und Finanzpolitiken abstimmten, um dann weiterzugehen, zur globalen Politik. Von Aids bis Entwicklung. Aufgrund dieses Charakters der Treffen gehörte Russland nur eine kurze Zeit hierhin, nämlich als es auf dem Weg zur Demokratie war. Jetzt, nach Krim-Besetzung und Schikanen gegen die Opposition, nicht mehr. Und China hat dort mit seinem jetzigen System grundsätzlich nichts zu suchen. Natürlich ist das G20-Format mit der Zeit bedeutender geworden. Aber es ist auch unverbindlicher, weil es keine geistige Gemeinschaft gibt.

Je mehr Trump spaltet, umso mehr muss der Rest zusammenhalten. Das ist die Konsequenz aus den jüngsten Ereignissen in Kanada. Die G7 repräsentieren immer noch fast 30 Prozent der Weltproduktion, das ist nicht wenig. Aber selbst ohne die USA ist es noch ein Sechstel. Auch G6 also würde sich lohnen.

Wenn der Westen überhaupt keine starke und einige Stimme mehr hat, dann bestimmen weniger sympathische Gesellschaften Takt und Tempo in der Welt. Dem Kurs der Kanzlerin kann man daher nur vorbehaltlos zustimmen. Kein Format darf man zu früh aufgeben, keine Gesprächsmöglichkeit verweigern.

Deshalb ist es richtig, Trumps Zölle in gleicher Größenordnung zu beantworten. In der Hoffnung, dass in den USA, wenn schon nicht beim Präsidenten, dann doch bei seinen Wählern die Einsicht wächst, dass freier Handel für alle besser ist als Protektionismus.

Angela Merkel und Emmanuel Macron ist unversehens die Rolle zugefallen, das westliche Rest-Bündnis zusammenzuhalten. Beide sind nicht nur Gegenspieler von Trump. Sie sind auch Gegenspieler von Putin, Xi, Erdogan und anderen, die ein Interesse an schwachen Demokratien und einem schwachen Europa haben, um freie Bahn zu bekommen. Für ihre Wirtschaften und ihre Gesellschaftsmodelle. Wenn sich die G6 auch noch zerlegen, vor allem Europa, ist dieser Kampf verloren.