Kommentar

In ihrem Element

Archivartikel

Alexander Müller zu Eintracht Frankfurt im Europapokal

Menschen mit empfindlichem Gehörgang sollten um das Frankfurter Waldstadion besser einen Bogen machen, wenn Donnerstags abends das Flutlicht angeht. Beim packenden Play-off-Thriller gegen Racing Straßburg schraubten die Eintracht-Fans den selbst aufgestellten Dezibelrekord der Europa League in neue Sphären. Es war höllisch laut in der Arena, und die Gier ihrer Anhänger nach neuen Festabenden auf internationalem Parkett übertrug sich von den Rängen auf den Rasen.

Die Eintracht hat mit dem erneuten Einzug in die Gruppenphase der Europa League den sensationellen Pokaltriumph von 2018 gegen den FC Bayern in einen stabilen Höhenflug überführt. Man erinnert sich dunkel an die Blamagen von Mainz 05 oder Hertha BSC gegen selbst Experten unbekannte Clubs in den sommerlichen Qualifikationsrunden für den Europapokal und kann gar nicht hoch genug anerkennen, mit welcher Lust und Leidenschaft die Hessen diesen Wettbewerb bestreiten.

Die Frankfurter Auftritte bleiben Imagewerbung für die Bundesliga, und die Verstetigung des Erfolgs auf europäischer Ebene hievt den aufstrebenden Club nicht nur in der nationalen Wahrnehmung auf eine neue Stufe. Wer so viel investiert, bekommt auch etwas zurück: Die Eintracht zog am Freitag mit Arsenal London ein echtes Traumlos, dazu freuen sich die reisebegeisterten Fans der SGE auf reizvolle Fahrten zum belgischen Traditionsverein Standard Lüttich und nach Portugal zu Vitoria Guimaraes.

Sportlich erscheint das Weiterkommen trotz Topfavorit Arsenal machbar. Und was in der K.o.-Phase im Frankfurter Stimmungstempel drohen kann, diese Erfahrung mussten in der vergangenen Saison schon Inter Mailand, Donezk oder Benfica Lissabon machen. Donnerstags, wenn das Flutlicht angeht, ist die Eintracht in ihrem Element.