Kommentar

In Luft aufgelöst

Peter Reinhardt hält die Feinstaubalarme für überflüssig

 

Über Jahre bestimmte das Feinstaubproblem die Wahrnehmung der Stadt Stuttgart zumindest in den Wintermonaten. Immer wieder wurde von „Deutschlands dreckigster Kreuzung“ berichtet. Touristen fragten sich bang, ob sie mit dem Auto noch in die Stadt fahren dürfen. Längst hatten Einheimische wie Fremde den Überblick verloren, wann Feinstaubalarm war. Es ist ohnehin kaum ein Autofahrer auf Bus oder Bahn umgestiegen, um an den kritischen Tagen die Schadstoffbelastung nicht weiter anzuheizen. Das Problem hat sich nun in Rekordzeit in Luft aufgelöst. Geholfen hat dabei sicherlich die günstige Wetterlage. Im Jahr davor sorgten die Winterhochs ohne Wind und mit vielen kalten Tagen für so hohe Luftbelastungen, dass der Grenzwert für Feinstaub nicht einmal bei der vollständigen Sperrung der Kreuzung für den Individualverkehr eingehalten worden wäre.

Nun ist es Zeit, die Konsequenzen zu ziehen und in Zukunft auf den Feinstaubalarm zu verzichten. Ohnehin hat sich die ökologische Diskussion längst auf die Gefahren der Stickoxide verlagert. Sollte es zu Fahrverboten kommen, macht ein Appell zum freiwilligen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel ja ohnehin keinen Sinn mehr. Da steuert die grün-schwarze Koalition auf eine ernste Belastungsprobe zu. Derweil rücken die Klimaziele in die Ferne. Denn die Debatte verunsichert viele Verbraucher, die ihren sparsamen, aber von Fahrverboten bedrohten Diesel durch Benziner ersetzen. Damit steigt aber der Ausstoß der klimaschädlichen Abgase. Statt immer nur einen Schadstoff ins Visier zu nehmen, sollte die Politik ein Gesamtkonzept vorlegen.

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