Kommentar

In Trümmern

Inna Hartwich über die Rolle Russlands und der USA in den weltpolitischen Konflikten: Putin und Trump sind sich zu ähnlich

Dass das russisch-amerikanische Verhältnis mit Donald Trump an der Spitze Amerikas besser würde als zu Zeiten Barack Obamas, erwies sich für Moskau schnell als Illusion. Die Differenzen zwischen den beiden Ländern – allen regelmäßigen Beteuerungen eines Neustarts zum Trotz – werden stetig mehr. Eine Annäherung ist auch nach dem Treffen des amerikanischen Außenministers Mike Pompeo mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf dessen Datscha in Sotschi nicht in Sicht. Manch russischer Beobachter spricht da von einer Beziehung, die in Trümmern liege.

Zwischen den historisch bedingten und immer noch ideologischen Kontrahenten steht Syrien, steht die Ukraine, stehen die mutmaßliche russische Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf und auch die Fragen nach russischem Gas in Europa sowie nach Abrüstungsverträgen. Mit Venezuela und Iran sind zwei weitere Probleme hinzugekommen, die ein Kräftemessen Moskaus mit Washington zutage fördern. Sotschi war ein gut gemeinter Versuch, die angespannten Beziehungen zu entschärfen. Trumps bekannte Polter- und Eskalationsmethoden führen zu einer unnötig gefährlichen Lage in Iran.

In mancherlei Hinsicht handelt Trump ähnlich wie Putin: mit risi-koblinder Bereitschaft, einfach einmal zu testen, wie weit man gehen kann, und dann zu schauen, wie der Rest der Welt reagiert. Dem Rest der Welt aber, vor allem den Partnern in Europa, verschlägt es seit Amerikas Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran den Atem.

Die Europäer halten am wichtigen Deal fest und hoffen auf Moskau, weil es Russland ist, das einen dauerhaften Einfluss auf die Politik Teherans hat. Seiner Rolle ist sich der Kreml bewusst und gibt sich auch in Venezuela als Völkerrechtsbewahrer, mag er das Völkerrecht in der Ukraine noch im vollen Bewusstsein gebrochen haben. Die Positionen wurden in Sotschi nochmals deutlich. Das nächste Gespräch gibt es womöglich im Juni: zwischen Trump und Putin, den ungleichen Brüdern im Geiste.