Kommentar

Inhuman und dumm

Archivartikel

Steffen Mack zu Mouhamadou Ouro Zato und dem Asylrecht

Jetzt denke bitte keiner, das sei eine Ausnahme allein für einen Topfußballer. Mouhamadou Ouro Zato kickt in der Kreisklasse A, der zweituntersten Liga. Dort ist dieser Sport nicht immer großartig, aber meistens menschlich-ehrlich. Das zeigt die Online-Petition, mit der die Mitspieler beim PSV Mannheim gegen die Abschiebung des Togolesen kämpfen. Dass das Regierungspräsidium darauf nun nur wegen der knapp 40 000 Unterschriften verzichtet hat, ist zwar nicht allzu wahrscheinlich. Aber geschadet hat die öffentliche Aufmerksamkeit sicher nicht. Gut so.

Allerdings sollte man diesen Fall nicht zu sehr überhöhen. Keineswegs darf Ouro Zato etwa nur bleiben, weil vorher Mostafa Nazari aus Ladenburg ausgewiesen wurde und dies heftige Proteste auslöste. Die asylrechtliche Ausgangslage ist völlig unterschiedlich. Bei Ouro Zato geht es allein um die Bestimmung des Dubliner Abkommens, wonach Asylbewerber zunächst in ihrem Ankunftsstaat in der EU – hier Italien – verbleiben müssen. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise war diese europarechtliche Übereinkunft das Papier nicht wert, auf dem sie stand.

Das Kernproblem des deutschen Asylrechts ist ein anderes. Über Anträge wird in der Regel ohne Rücksicht darauf entschieden, ob sich jemand seit seiner Ankunft gut integriert und eine Arbeit gefunden hat. Das ist nicht nur inhuman, es ist auch dumm. Andernfalls gäbe es einen sehr viel größeren Anreiz zur Integration, und es gingen keine geschätzten Kräfte verloren. Es wäre höchste Zeit, das zu ändern.