Kommentar

Irritierender Zeitpunkt

Archivartikel

Rolf Obertreis zu den Turbulenzen bei der Lufthansa

Haben Lufthansa und auch die Bundesregierung möglicherweise einen Fehler gemacht, weil sie den größten Einzelaktionär der Airline in die Verhandlungen über das Rettungspaket nicht oder nicht ausreichend einbezogen haben? Oder hat sich der 79-jährige Multimilliardär Heinz Hermann Thiele zu wenig eingebracht, obwohl ihm die Lufthansa so am Herzen liegt, wie er betont? So oder so: Es irritiert schon sehr, dass sich Thiele erst drei Wochen nach der Vereinbarung zwischen Lufthansa und Berlin über die Staatshilfe mit seiner Kritik zu Wort meldet.

Die Staatshilfe und das Rettungspaket wenige Tage vor der entscheidenden Hauptversammlung wieder zu öffnen und in Teilen neu zu verhandeln und zu schnüren, ist nicht nur fragwürdig. Es ist unrealistisch. Es sind ja nicht nur die Lufthansa und die Bundesregierung beteiligt, sondern auch die EU-Kommission in Brüssel. Sie müsste den neuen Details zustimmen, bevor es weitergehen kann. Das Aktionärstreffen in der nächsten Woche wäre damit obsolet, es müsste ein neues mit wochenlangem Vorlauf organisiert werden. Zeit, die die Lufthansa nicht hat. Ein Aufschub würde die Probleme für die Lufthansa und ihre Beschäftigten noch größer werden lassen, als sie ohnehin schon sind. Thiele hätte seine Bedenken viel früher in die Debatte einbringen können – auch im Interesse von weltweit 137 000 Lufthansa-Beschäftigten, die zusammen mit ihrem Unternehmen unverschuldet in die beispiellose Notlage geraten sind.