Kommentar

Israel hat Nachsehen

Susanne Knaul zu den Folgen einer erneuten Eskalation in Nahost: Iran könnte der lachende Sieger werden

 

Der syrische Bürgerkrieg wird immer verworrener, und er hat immer weniger mit Syrien zu tun. Sieben Jahre schon dauert das Gemetzel an, das sich Assads Truppen, seine Verbündeten aus Russland, dem Libanon, dem Iran, aus Pakistan und Afghanistan mit den Rebellen der Al-Nusra und der Freien Syrischen Armee liefern, die wiederum von Katar und Saudi-Arabien finanziert werden. Damit nicht genug, droht nun Syrien zum Schlachtfeld für Israel und Iran zu werden – und wenn US-Präsident Donald Trump seine Drohungen wahr machen sollte, auch zum Kriegsfeld für die Supermächte USA und Russland.

Paradoxalerweise würde es die, die Trump vor der eigenen skrupellosen Führung schützen will, zuerst und am schlimmsten treffen. Der jüngste Konfrontationskurs der beiden Weltmächte ist eine schlechte Nachricht für Israel. Regierungschef Benjamin Netanjahu setzte auf diplomatische Anstrengungen und auf die Hilfe Moskaus, um eine dauerhafte Stationierung iranischer Truppen in Syrien zu unterbinden.

Russlands Präsident Wladimir Putin hätte die Macht, die Iraner nach getaner Arbeit wieder nach Hause zu schicken, sobald sich ein Ende der Gefechte abzeichnet. Dafür müsste ihm Israel entgegen-kommen, denn umsonst setzt sich Putin für niemanden ein. Jerusalem hat jedoch derzeit wenig zu bieten. Im Gegenteil: Wenn sich die Fronten zwischen Washington und Moskau verschärfen, wird sich Israel, ob es grad passt oder nicht, stets auf die Seite der USA schlagen. Israel ist entschieden und will „um jeden Preis“, wie Verteidigungsminister Avigdor Lieberman jüngst erklärte, die iranischen Revolutionsgarden aus dem Nachbarland vertreiben.

Die iranischen Handlanger bedrohen Israel aus dem Libanon, wo die Hisbollah aufrüstet für den nächsten Krieg gegen den „kleinen Teufel“ – Israel. Über viele Jahre finanzierte Teheran auch die radikal-islamische Führung der Hamas im Gazastreifen, bis der Bürgerkrieg in Syrien die Palästinenser vorerst auf Abstand zu Präsident Baschar al-Assad und damit automatisch zum Iran gehen ließ.

Für den Kampf gegen Israel greift die Führung in Teheran gern tief in die Tasche, und das, obschon mehrere Tausend Kilometer die beiden Länder voneinander trennen, die nie direkt einen Krieg miteinander führten und entsprechend keinerlei offene territoriale oder andere Dispute auszufechten hätten.

Eine dritte Front zum Iran in Syrien könnte sich auf kurz oder lang für Israel als die gefährlichste erweisen. Einen Vorgeschmack bekam die Luftwaffe erst vor wenigen Wochen, als eine einzige iranische Drohne von Homs aus Richtung Tel Aviv flog und so einen Schlagabtausch mit Syriens Armee und schließlich den Abschuss eines israelischen Kampfjets auslöste. Teheran darf nicht die Macht haben, jederzeit und ohne großen Aufwand eine Konfrontation zwischen Syrien und Israel zu provozieren.

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