Kommentar

Jetzt gegensteuern

Archivartikel

Wolfgang Mulke zum veränderten Einkaufsverhalten.

Corona beeinflusst das Verhalten der Verbraucher massiv. Wenn das nach dem Ende der Krise so bleibt, droht der Verlust von Lebensqualität und Arbeitsplätzen in den Innenstädten. Die Gründe für ein verändertes Konsumverhalten liegen auf der Hand. Statt den Kühlschrank aufzufüllen, wenn gerade etwas fehlt, hält die Vorratshaltung Einzug. Insbesondere Familien ziehen einen einzigen großen Wocheneinkauf dem alltäglichen vor. Die Handelsketten mit Riesensortimenten profitieren, selbst mächtige Discounter verlieren eher.

Dazu kommen der fehlende Spaß an einer Shoppingtour und zum Teil ein veränderter Bedarf. Niemand braucht drei neue Anzüge im Jahr, wenn die Arbeit weitgehend am heimischen Schreibtisch erledigt wird. Was an Extras benötigt wird, bietet der Onlinehandel. Es wird weniger konsumiert. Das belegen die stark angestiegene Sparquote bei finanziell kaum betroffenen Haushalten und die fehlenden Möglichkeiten derer, deren Einkommen gesunken ist.

Selbst wenn die Angst vor Corona schwindet, wird eine Rückkehr zu alten Gewohnheiten lange dauern. Im Handel werden viele Geschäfte eine längere Krise nicht überstehen. Kinos, Hotels oder Restaurants steht das Wasser vielfach schon knapp unter dem Kinn. Ohne diese innenstädtischen Strukturen könnte eine Abwärtsspirale einsetzen, an deren Ende die Konsumwelt den wichtigen Spaßfaktor verloren hat. Wo es nichts mehr gibt, lässt sich auch nichts ausgeben. Bislang reagiert die Politik immer nur auf aktuelle Entwicklungen. Es wird Zeit für langfristige Strategien, um dies zu verhindern.

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