Kommentar

Jetzt gilt’s, Herr Scheuer

Archivartikel

Stefan Vetter zu den Investitionen bei der Bahn

Wenn Andreas Scheuer ins Schwärmen gerät, dann ist erfahrungsgemäß Vorsicht angesagt. Schon die Maut für Ausländer sollte ein Super-Ding werden und wurde zum Riesen-Reinfall. Nun hat der Bundesverkehrsminister das „Jahrzehnt der Schiene“ ausgerufen, ja, sogar von einem „Wow-Effekt“ gesprochen. Ob das gut geht?

Die Zahl ist zweifellos beeindruckend: 86 Milliarden Euro sollen bis 2030 in die Sanierung und Modernisierung der Deutschen Bahn fließen. Allerdings relativiert sich die gewaltige Summe, wenn man bedenkt, dass die Bahn lange Zeit regelrecht kaputt gespart wurde. Marode Brücken, verschlissene Gleisanlagen und baufällige Bahnhöfe sind ein sichtbarer Ausdruck dafür. Auch geht es nicht nur darum, die Versäumnisse der Vergangenheit auszumerzen. Im Kampf gegen den Klimawandel ist der Verkehrsbereich eine zentrale Stellschraube. Allen voran die Bahn als eines der umweltfreundlichsten Beförderungsmittel. Sie muss deshalb viel attraktiver werden.

Die Verbilligung der Bahncard und die Senkung der Steuer auf Bahntickets sind dafür erste Schritte. Um mehr Menschen auf die Schiene zu bringen, muss die Bahn allerdings auch verfügbar sein. Vielerorts ist sie das nicht mehr. Seit Mitte der 1990er Jahre wurden über 6000 Kilometer Gleise stillgelegt. Zumal das viele Geld erst mal verplant und verbaut werden muss. Wegen der begrenzten Kapazitäten ist das ein langer Prozess. Reisenden dürfte er noch viel Geduld abverlangen. Immerhin, die Weichen für eine deutliche Aufwertung der Bahn wurden endlich gestellt. Ab jetzt gilt‘s, Herr Scheuer.

 
Zum Thema