Kommentar

Jetzt sind die anderen dran

Stefan M. Dettlinger zur miserablen Szene für Neue Musik in der Region

Machen wir uns nichts vor: Die zeitgenössische Musik ist die Orchidee der Kulturszene. Nicht nur auf dem Tonträgermarkt, wo sie – wie der Jazz – keine zwei Prozent des Marktes ausmacht. Auch im Live-Betrieb. Zeitgenössische Musik braucht wie jede subventionierte Kultur Bekenner, die für sie brennen, obwohl mit ihr weder Geld zu verdienen noch Massen zu erreichen und schon gar nicht Wahlen zu gewinnen sind.

Nun ist es so, dass es die Neue Musik in der Region nicht leicht hat. Obwohl hier mehr als zwei Millionen Menschen leben, gibt es kein prominentes Festival. Stuttgart hat den „Eclat“. Karlsruhe hat den „ZeitGenuss“. Mannheim und die Metropolregion haben: nichts – und das, obwohl die Musikhochschule mit Sidney Corbett einen recht renommierten Komponisten als Professor vorzuweisen hat und auch die Gesellschaft für Neue Musik ein paar Konzerte im Jahr veranstaltet.

Dass nun Hans-Karsten Raeckes Minimalfestival Klangwerkstatt Musiktage endet, ist bedauerlich und hinsichtlich des winzigen Betrages kulturpolitisch nicht verständlich. Um Neue Musik größer zu machen, gibt es in der Region nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Gesellschaft für Neue Musik wird deutlich aktiver, oder das exzellente und international renommierte Klangforum Heidelberg gibt sich einen Schubs und gründet ein großes Festival für zeitgenössische Musik, das dann sicher auch von den Kulturämtern deutlich höhere Summen erhielte als Raecke jemals zuvor.