Kommentar

Jute statt Plastik

Archivartikel

Hagen Strauß zum geforderten Aus für Kunststofftüten

Da hat Entwicklungsminister Gerd Müller sehr wohl recht: „Wenn wir so weitermachen, versinken wir im Müll“, hat der CSU-Politiker gesagt. Die Frage ist nur: Wer ist „wir“? Wer einmal in Asien unterwegs gewesen ist, der weiß, wer tatsächlich ein Müllproblem im Allgemeinen und ein Plastikproblem im Besonderen hat. Deutschland ist hingegen bei der Vermeidung, Trennung und Wiederverwertung von Abfällen zweifellos vorbildlich.

Wie man das macht, muss Kernelement guter Entwicklungspolitik sein. Deswegen hinkt Müllers Verweis auf afrikanische Länder oder Staaten wie Mexiko, wenn er jetzt auch für Deutschland ein Verbot von Plastiktüten fordert. Die Problematik ist in diesen Ländern schlichtweg eine ganz andere, weil gravierende. Hierzulande braucht es kein Plastiktüten-Verbot. In vielen Geschäften gibt es die Beutel nicht mehr oder sie werden ziemlich teuer verkauft. Auch haben die Tüten an der hiesigen Umweltverschmutzung nur einen arg geringen Anteil – viel ärgerlicher sind Gurken im Plastikmantel oder anderer Umwelt-Unsinn im Ladenregal. Viele Bürger sind darüber hinaus inzwischen so sensibilisiert, dass sie einen alten Spruch wieder beherzigen: „Jute statt Plastik“. Das wirkt besser als jedes Verbot.

 
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