Kommentar

Kandidatin des Ausgleichs

Dieter Klink über Annegret Kramp-Karrenbauer

Annegret Kramp-Karrenbauer hat gestern als letzte aussichtsreiche Bewerberin ihren großen Auftritt gehabt. Er ist ihr gut gelungen. Die Saarländerin hat den Spagat bewältigt, einerseits als enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkels zu gelten, aber gleichzeitig ein Signal der Erneuerung auszusenden. Sie setzt sich nicht ab von der scheidenden CDU-Chefin, erweitert das Spektrum aber, um die Konservativen in der Partei stärker mitzunehmen.

Sie ist die Kandidatin des Ausgleichs. Kramp-Karrenbauer betont mehr das Verbindende als das Trennende. Darin wirkt sie wie eine Merkel-Kopie, was die einen beruhigen, die anderen abstoßen wird. Die Themen, die „AKK“ wichtig sind (Wohlstand, Sicherheit, Zusammenhalt), decken die Breite der in die Krise geratenen Volkspartei ab.

Die Fixierung auf Wohl und Wehe in der Flüchtlingspolitik lehnt Kramp-Karrenbauer dagegen ab. Ihre Ruhe wirkt verlässlich, doch genau dieses Einschläfernd-Narkotisch-Pragmatische haben viele CDU’ler nach 18 Jahren Merkel einfach satt.

Wer mehr Umtrieb und klare Positionen will, wird ihre Mitbewerber bevorzugen. Ihr größtes Plus: Kramp-Karrenbauer ist sehr nah an der Basis – dort geradezu verwurzelt. Sie kann glaubhaft vermitteln, dass die CDU-Mitglieder wieder stärker gehört und berücksichtigt werden.

Mit ihrer „Zuhör-Tour“ in die Ortsverbände hat sie das in den vergangenen Monaten als Generalsekretärin unter Beweis gestellt. Dieser dienende Charakter unterscheidet sie von ihren männlichen Mitbewerbern Jens Spahn und Friedrich Merz, die – zumindest bisher – weniger fürs aufmerksame Zuhören bekannt sind.

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