Kommentar

Kein Druck, kein Schwung

Archivartikel

Hannes Koch zum Ausbau der Elektromobilität

Auf deutschen Straßen rollen mittlerweile rund 150 000 elektrisch betriebene Fahrzeuge. Aber die eine Million E-Autos, die die Bundesregierung eigentlich bis 2020 auf den Straßen sehen wollte, ist nun auch offiziell nicht mehr zu erreichen, räumte die zuständige Kommission gestern ein – alle bisherigen Anstrengungen sind verpufft.

Zugegeben, manches ist in einer komplexen Wirtschaft kaum zu steuern, anderes aber doch. Hier hat auch die Bundesregierung Fehler gemacht, die die Autoindustrie mit Samthandschuhen anfasst. Das gilt nicht nur für den Umgang mit dem Diesel-Skandal. Auch beim Umstieg von fossilen zu klimafreundlichen Antrieben fehlt ein Ordnungsrahmen, der die Unternehmen zum Handeln zwingt. Strengere Flotten-Grenzwerte für den Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids könnten beispielsweise den Druck auf die Hersteller erhöhen. Stattdessen bestimmt das Mantra der Freiwilligkeit die Politik der Bundesregierung. Also tun die Autohersteller nur das, was sie wollen.

Es ist jedoch noch nicht zu spät. Der neue Weltmarkt für Elektromobilität formiert sich gerade erst. Einige Staaten wie China, USA und Norwegen sind schneller. Aber für die kommenden Jahre haben auch die hiesigen Autokonzerne zahlreiche E-Modelle angekündigt. Die nun beschlossene „Plattform zur Zukunft der Mobilität“ könnte zudem für mehr Schwung sorgen. Und vielleicht schafft es Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) tatsächlich, eine Fabrik für E-Auto-Batteriezellen aus dem Boden zu stampfen, damit das Autoland Deutschland diese Kerntechnologie nicht in China einkaufen muss.

 
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