Kommentar

Kein Herz fürs Klima

Archivartikel

Hans-Jürgen Emmerich zum Streit um Denkmalschutz

Ein Treffpunkt für Jung und Alt im Stadtteil Seckenheim, der ganz ohne den Verbrauch fossiler Brennstoffe auskommt und stattdessen sogar noch Energie liefert: Wie könnte man besser das Klima schützen und Gottes Schöpfung bewahren? Was die evangelische Kirche in Seckenheim plant, ist vorbildlich. Doch die engagierten Christen haben die Rechnung ohne den Denkmalschutz gemacht.

Weil Seckenheim als langgestrecktes Straßendorf am Neckar-Hochufer einzigartig ist und die Gebäude weitgehend einheitlich sind, steht die Gesamtanlage unter Schutz. Soweit, so gut. Es macht durchaus Sinn, dass die historische Gebäudesubstanz und damit auch das Ortsbild erhalten wird. Wollte man diese wertvollen Kleinode plattmachen und auf diese Weise Wunden in die geschlossene Häuserfront an der Hauptstraße reißen, müsste das mit allen Mitteln verhindert werden.

Investition in die Zukunft

Im konkreten Fall jedoch geht es um etwas ganz anderes. Hier soll ein maroder Zweckbau aus der Mitte des 20. Jahrhunderts durch ein modernes Gebäude ersetzt werden, das von der Hauptstraße aus gar nicht zu sehen ist und das heutige Erscheinungsbild mit Sicherheit verbessern würde. Zudem wäre es in Sachen Klimaschutz richtungsweisend und mit dem Bau eines neuen Kindergartens auch eine wichtige Investition in die Zukunft. Dies aus Gründen des Denkmalschutzes zu verhindern, wäre das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Dass sich die Behörde der öffentlichen Diskussion über ihre Haltung nicht stellt, sondern sich mit dem fadenscheinigen Verweis auf ein laufendes Verfahren aus der Verantwortung stiehlt, spricht Bände. In Sachen Klimaschutz ist es fünf vor zwölf. Wenn die Katastrophe tatsächlich über uns hereinbricht, nützen uns schöne alte Gebäude auch nichts mehr.

Die Denkmalschützer täten deshalb gut daran, ihre Haltung in diesem Fall zu überdenken und auch dem Klimaschutz die Stellung einzuräumen, die er verdient. Wenn Photovoltaik sogar auf dem Dach von denkmalgeschützten Kirchen akzeptiert wird, sollte es hier erst recht möglich sein.