Kommentar

Kein Platz für echte Musik

Stefan M. Dettlinger vermisst beim „Sommer“ einen Analog-digital-Mix

Beneidenswert sind Kulturmacher in diesen Coronazeiten nicht. Die freien Träger sind existenziell bedroht, und die großen öffentlichen Kulturschlösser wie das Nationaltheater Mannheim sind mit ihrem enormen Apparat so träge, dass sie nicht schnell auf neue Begebenheiten oder Bestimmungen reagieren können – zumal die Planungen in aller Regel viele Monate, ja, Jahre im voraus gemacht werden.

Ist deswegen der Mannheimer Sommer als reine digitale Ausgabe und mit allem Anschein nach auch attraktiven Streamingformaten alternativlos? Jein!

Linksrheinisch wird ab morgen wieder gespielt. Analog. Vor Publikum. Wie früher. Na ja: fast. 130 Menschen mit Maske, Anstand und Abstand werden zweimal in den Saal des Pfalzbaus gelassen, wenn die Deutsche Staatsphilharmonie unter ihrem Chef Michael Francis in Kammermusikbesetzung ihr erstes großes Konzert seit dem Lockdown geben wird. Auch die Staatsoper Stuttgart spielt – gar eine „Zauberflöten“-Premiere auf dem Cannstatter Wasen. Und die Oper Frankfurt macht ebenso kleine Abende im großen Saal. Klar: Der Aufwand ist immens für so wenig Leute. Trotzdem.

Neue Formate sind schön, und sicherlich wird sich auch einiges Digitales in Post-Corona-Zeiten hinüberretten. Aber ein Mannheimer Mix-Sommer aus digitalen Angeboten und ein paar analogen Highlights nur mit Musikern und Sängern, wäre eine erste Kontaktaufnahme mit dem einst treuen und nun Screen-geschädigten Publikum gewesen, die sich vor allem mit Blick auf die Auslastungen der Zukunft ausgezahlt hätte.

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