Kommentar

Kein Selbstläufer

Archivartikel

Peter W. Ragge begrüßt Debatte um Theatersanierung

Die 185 Millionen Euro an Kostenschätzung für die Generalsanierung des Nationaltheaters, die im Juli plötzlich auf die Tagesordnung kamen, haben einige Kommunalpolitiker gewaltig erschreckt. Zumindest galt das für jene, die es versäumten, sich mit dem Zustand dieses städtischen Gebäudes sowie den ja landauf, landab anstehenden Theatersanierungen zu befassen.

Besonders erschreckt reagierten aber die sachkundigen SPD-Kulturpolitiker und mit der Sozialdemokratie sympathisierenden Kulturfreunde darauf, was SPD-Fraktionschef Ralf Eisenhauer dazu sagte. Seine strikte Aussage, die Stadt habe "keine zusätzlichen Mittel", war da vielen zu abweisend, zu apodiktisch.

Diskussion anstoßen

Der jetzt eingereichte Fragenkatalog ist daher in erster Linie Ergebnis einer parteiinternen Diskussion. "Wer fragt, der führt", heißt es in Managerkursen. Insofern möchte die SPD mit Fragen zeigen, dass sie das Thema vorantreiben, nicht abbügeln will.

Einige der Fragen sind den Fraktionen, als man ihnen die Kostenschätzung offenbarte, indes längst beantwortet worden. Andere Dinge sind schlichtweg noch offen, noch längst nicht geklärt - von Ersatzspielstätten bis zu möglichen Spendern. Weitere Fragen weisen völlig in die richtige Richtung, etwa die nach regionaler Zusammenarbeit und Landeshilfe bei der Finanzierung, sind aber von der Politik erst zu klären und derzeit völlig offen.

In jedem Fall stellt der Fragenkatalog ein Warnsignal da, dass der Beschluss über die Generalsanierung im Gemeinderat kein Selbstläufer sein wird. In nahezu allen Fraktionen gibt es derzeit viele Fragen, Bedenken, Bauchweh. Insofern wäre eine frühzeitigere öffentliche Debatte, wie sie die SPD nun anstößt, durchaus sinnvoll. Dann würde auch früher noch klarer, dass es hier um ein Denkmal geht, das der Stadt gehört - und die Stadt nicht so einfach nichts tun kann.