Kommentar

Kellers Vorgabe

Archivartikel

Alexander Müller zu den EM-Zielen des DFB-Präsidenten

Mit allzu großspurigen Ansagen hat der deutsche Fußball keine guten Erfahrungen gemacht. Als Franz Beckenbauer nach dem WM-Triumph 1990 prophezeite, die Nationalelf werde mit den Spielern aus der DDR „auf Jahre unschlagbar“ sein, setzte es zur Strafe bei der folgenden EM 1992 erst einmal eine peinliche Finalpleite. Gegen Dänen, die sich der Legende nach mit Pommes, Bier und Cola auf das Turnier vorbereitet hatten. Und allein der Gedanke daran, was sich statt der lauthals avisierten Titelverteidigung bei der WM in Russland ereignete, fühlt sich auch anderthalb Jahre danach noch traumatisch an.

Wenn DFB-Präsident Fritz Keller mit Blick auf die EM im Sommer eine Erwartungshaltung weckt, die nicht von der Realität gedeckt ist, tut er damit der jungen und längst nicht ausgereiften Nationalmannschaft keinen Gefallen. Sicher, wenn alles optimal läuft, könnte auch das Halbfinale oder sogar das Endspiel drin sein – aber den Druck mit einer öffentlichen Zielsetzung derart zu erhöhen, ist kontraproduktiv.

Schon im Achtelfinale droht der DFB-Elf ein Gegner wie England, Belgien oder die Niederlande. Das wäre ein Niveau, bei dem ein frühes Scheitern einkalkuliert werden müsste. Kellers kühne Vorgabe hat die Latte, was beim nächsten Turnier als Erfolg oder Misserfolg durchgehen wird, unnötig hochgelegt.