Kommentar

Klare Alternative

Stefan Vetter sieht Franziska Giffeys Vorschlag für ein Jugendfreiwilligenjahr als sinnvolle Ergänzung zum Freiwilligen Sozialen Jahr

Sie helfen in Altenheimen, kümmern sich um bedrohte Tierarten oder teilen Essen an Bedürftige aus – die Freiwilligendienste haben längst einen festen Platz in unserer Gesellschaft. Nützen sie doch nicht nur denen, die sich selbst nicht (mehr) helfen können. Sie stärken auch die sozialen Kompetenzen der zumeist jüngeren Helfer. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey von der SPD will diese Dienste nun attraktiver machen. Das ist zweifellos der bessere Weg als ein allgemeines Pflichtjahr für junge Leute, wie es die Union schon vor längerer Zeit ins Spiel gebracht hat.

Ein ziviler Dienst an der Gesellschaft sollte auf Überzeugungen beruhen und nicht auf Zwang. Man muss allerdings schon genauer hinschauen, um die Vorteile von Giffeys Konzept gegenüber den geltenden Regeln zu erkennen. Was sich bei ihr „Jugendfreiwilligenjahr“ nennt, ist keine Konkurrenzveranstaltung etwa zum Bundesfreiwilligendienst oder dem Freiwilligen Sozialen Jahr, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Junge Leute bis 27 Jahre bekommen demnach einen Rechtsanspruch auf Förderung ihres Hilfsjahres durch den Bund.

Damit steht der Bund künftig voll für die Finanzierung gerade. Bislang zahlt er nur einen Teil, und vielen sozialen Trägern fehlt schlicht das Geld, um bis zur Obergrenze von 390 Euro noch etwas draufzupacken. Vorwerfen muss man Giffey allerdings, dass ihre Idee auf absehbare Zeit keine Chance auf Verwirklichung hat. Der Bundeshauhalt für 2019 wurde bereits im November verabschiedet. Dort ist der notwendige finanzielle Mehrbedarf nicht berücksichtigt. So deutet vieles darauf hin, dass die SPD mit Giffeys Konzept in den nächsten Bundestagswahlkampf ziehen wird – als klare Alternative zum Pflichtjahr der CDU.