Kommentar

Klare Ansage

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Alexander Jungert zum Apotheken-Urteil des Bundesgerichtshofs: Bei rezeptpflichtigen Medikamenten sind einheitliche Preise notwendig

Ein Brötchen-Gutschein oder Taschentücher zum verschreibungspflichtigen Antibiotikum – damit ist jetzt Schluss. Auch kleine Geschenke ohne großen Wert könnten den Wettbewerb verfälschen, lautet die klare Ansage des Bundesgerichtshofs. Auf den ersten Blick klingt das ziemlich überzogen. Aber es ist wichtig, um die Verbraucher zu schützen.

Zunächst: Niemand muss auf etwas verzichten. Beim Kauf von Kopfschmerztabletten oder Erkältungsmitteln darf es weiterhin Geschenke geben. Das BGH-Urteil bezieht sich nur auf den Medikamentenkauf mit Rezept vom Arzt. Hier sind bundesweit einheitliche Preise wichtig, damit Patienten nicht übervorteilt werden. Sie sollen im Notfall bei ernsten Krankheiten weder auf Schnäppchenjagd gehen noch abgezockt werden. Apotheker, die Kunden Präsente oder Gutscheine für den nächsten Einkauf mitgeben, unterwandern die Preisbindung indirekt. Der Konkurrent von nebenan zieht mit eigenen Angeboten nach, um nicht abgehängt zu werden. Ein möglicherweise zerstörerischer Wettbewerb soll im Keim erstickt werden. Denn wenn eine Apotheke aufgeben muss, könnte die Grundversorgung gefährdet sein.

Bitter für die Apotheken ist, dass ihre Konkurrenten – die Versandapotheken im EU-Ausland – nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs weiter Geschenke machen dürfen. Zwar spielen die ausländischen Konkurrenten momentan keine große Rolle auf dem deutschen Markt. Doch sie werben teils sehr aggressiv mit Geschenken um Kunden. Der Gesetzgeber muss noch einmal ran. Wenn schon Regeln, dann bitte für alle dieselben.

 
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