Kommentar

Klarer Favorit fehlt

Archivartikel

Thomas Spang über das große Bewerberfeld der US-Demokraten für die Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr

Wer kann Donald Trump 2020 schlagen? Diese Frage dominiert das Denken der Demokraten, die bei den Vorwahlen aus dem dichten Gedränge an Bewerbern für die Spitzenkandidatur auswählen müssen. Es geht auch um Inhalte. Aber den Wählern dämmert, dass die innerparteilichen Differenzen weniger gravierend sind als die Konsequenzen einer zweiten Amtszeit Trumps.

Im großen Bewerberfeld tummelt sich kein klarer Favorit. Die Anhänger Joe Bidens verkaufen den 76-jährigen, der länger in der Politik ist als alle anderen Mitbewerber, als „Elder Statesman“, mit dem sich die älteren weißen Wähler im Rostgürtel und Mittleren Westen identifizieren können.

Dies gilt auch für Bernie Sanders. Der Senator aus Vermont gehört derselben Generation weißer Männer an, die am meisten an den Umbrüchen des modernen Amerika zu knabbern haben. Mit 78 Jahren wäre er der älteste Präsident, der ins Weiße Haus einzöge. Die Vorstellung mutet fremd an, dass die von Frauen und Minderheiten geprägte Partei ihre Zukunft und beste Chance gegen Trump in zwei älteren weißen Herren sieht.

Dieses Argument hat am schlüssigsten der „Benjamin“ im Bewerberfeld, Peter Buttigieg, vorgetragen. Der mit 37 Jahren blutjunge Bürgermeister aus South Bend im US-Bundesstaat Indiana fordert einen Generationenwechsel. Diesen könnte auch der andere Wunderjunge im Bewerberfeld, der Texaner Beto O’Rourke, für sich beanspruchen. Dass die Chancen mit einer Kandidatin an der Spitze stiegen, den Chauvinisten im Weißen Haus abzulösen, ist eine andere Erwägung. Elizabeth Warren, kämpferische Senatorin aus Massachusetts, hat immer neue Ideen, ist aber auch schon 69 Jahre alt. Besser positioniert scheint die Senatorin aus Kalifornien, Kamala Harris, die den deutlichsten Bruch mit der Ära Trump verspricht. Sie wäre nicht nur die erste Frau im Weißen Haus, sondern markierte mit dann 55 Jahren auch einen Generationenwechsel. Die Demokraten haben die Qual der Wahl.