Kommentar

Kleine Missionare

Archivartikel

Werner Kolhoff hält das Kopftuch für reaktionär, ein Verbot in Kitas und Grundschulen sollte aber nur dort gelten, wo es zu Konflikten kommt

Ein Kopftuchverbot an Kitas und Grundschulen, wie es die CDU auf ihrem bevorstehenden Parteitag als Kann-Bestimmung beschließen will, ist zwar keine zentrale politische Frage. Nur wenige Mädchen unter 14 laufen so herum. Doch die es tun, genauer gesagt, die Eltern, die ihre Kinder dazu zwingen, können Unfrieden an den Schulen stiften. Insofern wäre eine Regelung angemessen, die dort ein Verbot seitens der Schulaufsichten ermöglicht, wo es zu Konflikten kommt. Wo keiner damit ein Problem hat, muss auch die Verwaltung keines haben.

Muslimische Mädchen unterscheiden sich mit dem Kopftuch optisch deutlich von nicht-muslimischen. Mehr noch: Sie heben sich damit als ,,rechtgläubige“ Musliminnen auch von ihren angeblich weniger rechtgläubigen Glaubensgenossinnen ab. Sie isolieren sich also doppelt. Auf dem Schulhof und in den Klassen kann das problematisch werden. Hinzu kommt dann meist noch, dass die betreffenden Eltern Schwierigkeiten machen, wenn die Mädchen am Schwimmunterricht oder an Bundesjugendspielen teilnehmen sollen.

Moralisch legitim wäre ein Verbot allemal. Nicht nur, weil der Glaube bei Kindern noch keine selbstbestimmte Entscheidung ist. Das Kopftuch soll nach dem Koran unter anderem die Reize von Frauen vor den lüsternen Blicken von Männern verhüllen. Kein Mädchen in diesem Alter empfindet aber Scham für seine Haare. Ganz im Gegenteil. Mit dem Kopftuch findet im Grunde eine Sexualisierung von Minderjährigen statt. Ab 14 können Jugendliche nach dem Gesetz selbst entscheiden, ob und wie religiös sie sein wollen. Das ist richtig so. Bei Kindern aber haben religiöse Symbole dieser und anderer Art nichts zu suchen.

Die Religionsfreiheit wird mit einem Verbot nicht verletzt, denn auch ohne Kopftuch kann das Kind von seinen Eltern muslimisch erzogen werden. Aber was ist mit der Gleichheit vor dem Gesetz, wenn ein christliches Kind sein Kreuzkettchen trägt? Das ist zwar mit dem Kopftuch nicht vergleichbar, weil es meist dezent getragen wird und auch keine sexualisierende Komponente hat. Gleichwohl sollten die Verwaltungen die Möglichkeit haben, auch das zu untersagen, wenn es Probleme gibt.

Häufig wird auf die Forderung nach einem Kopftuchverbot an Grundschulen mit dem reflexhaften Vorwurf der Ausgrenzung reagiert. Umgekehrt ist es richtig. Es sind einige wenige muslimische Eltern, die ihre Kinder ausgrenzen. Ihre Orientierung an Symbolen und Ritualen des vorletzten Jahrtausends ist reaktionär. Sie missbrauchen ihre Kinder als kleine Missionare des wahren Islam in ihrer Auseinandersetzung mit den in der Gesellschaft integrierten, modernen Muslimen.

Gleiches gilt übrigens auch, wenn Kinder in diesem Alter schon gezwungen werden, während des Ramadans zu fasten und tagsüber auch nichts zu trinken. Kinderkörper sind zur Selbstkasteiung nicht gemacht. Es ist nicht liberal, so etwas zu tolerieren. Diesen Leuten darf man sagen: Nicht bei uns!