Kommentar

Kleiner Hebel

Archivartikel

Eine Senkung der Mehrwertsteuer für die Bahn wird wahrscheinlicher. Das wäre dann schon mal ein Anfang, um die Nutzung des Zuges attraktiver zu machen. Viel mehr aber nicht.

Die Fahrkarten würden zwar billiger. Aber auf keinen Fall so, dass der Zug mit Billigfliegern konkurrieren kann. Und die Bahn hat noch andere Probleme: Das Schienennetz muss instandgesetzt werden, im Fernverkehr fehlt es an Zügen. Schon jetzt gibt es häufig nur noch Stehplätze, wenn man nicht rechtzeitig reserviert hat. Neue Züge lassen sich freilich nicht an jeder Ecke kaufen wie ein Gebrauchtwagen. Das benötigt seine Zeit.

Somit ist die Reduzierung der Mehrwertsteuer nur ein kleiner Hebel, um die Wettbewerbsbedingungen zulasten der Schiene ein wenig zu entzerren. Denn auch weiterhin fällt bei Auslandsflügen überhaupt keine Mehrwertsteuer an, weiterhin wird der Strom, den die Bahn benötigt, kräftig besteuert, das Kerosin für die Flieger aber nicht. Hinzu kommt, dass das Unternehmen nicht durch perfekte Leistung, sondern durch Unpünktlichkeit, Serviceprobleme und Zugausfälle glänzt. Daran ändern auch günstigere Tickets nichts. Wobei man der Bahn zugutehalten muss, dass sie zusammen mit der Bundesregierung die richtigen Weichen gestellt hat. Knapp 90 Milliarden Euro sollen in den nächsten zehn Jahren in Reparatur und Ausbau des Schienennetzes fließen. Doch erst dann wird sie auch wirklich attraktiver sein als andere Verkehrsträger.

 
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