Kommentar

Kleinere Dimension

Hans-Dieter Füser meint, dass die Polizei bei Ausschreitungen wie in Schorndorf ihre Reaktionszeiten verkürzen sollte

 

Im Internet und in den sozialen Netzwerken steht die Meinung schnell in Stein gemeißelt: Die Kölner Silvesternacht ist nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in Schorndorf und Böblingen jetzt auch in der Provinz angekommen. Der Reflex ist nachvollziehbar, doch in der Realität stellen sich die Dinge in einer glücklicherweise kleineren Dimension dar. Womit die Grapschereien und Krawalle durch Betrunkene keinesfalls verharmlost werden sollen. Natürlich sind diese Vorfälle nicht hinnehmbar, sie lassen schnell Vorurteile wachsen. Da aber die Polizei die Haupttäter der sexuellen Übergriffe - muslimische Flüchtlinge - gefasst hat, können sie auf rechtsstaatlichem Weg verurteilt werden.

Nun aber ergibt sich die Frage, welche Lehren zu ziehen sind. Der reflexartige Ruf nach mehr Polizeikräften vor Ort stellt sich dabei als ebenso schnell wie voreilig heraus. Denn wollten die Sicherheitskräfte wirklich auch nur bei den bedeutenderen Volksfesten in größerer Mannschaftsstärke anrücken, wären ihre personellen Potenziale schnell ausgereizt. Schon die Diskussionen nach der Randale beim G20-Gipfel in Hamburg haben gezeigt, dass erfahrene Polizisten eben nicht in unbegrenzter Zahl zur Verfügung stehen. Versäumnisse aus der Vergangenheit lassen sich nicht über Nacht korrigieren.

Helfen kann womöglich eine modifizierte Einschätzung der Gefahrenlage. Nur zu sagen, in der Vergangenheit habe es auch nie Ausschreitungen dieser Art gegeben, reicht offenkundig nicht mehr aus. Aber wie auch bei Risikospielen im Fußball könnte sich die Polizei um verkürzte Reaktionszeiten bemühen. Dann würden zusätzliche Beamte - wie jetzt in Schorndorf - nicht erst an den Folgetagen zum Einsatz kommen.

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