Kommentar

Klinsis Ego-Spiel

Jürgen Berger zum Rücktritt von Klinsmann als Hertha-Trainer

Wer groß denkt, darf nicht beim ersten Gegenwind einknicken. Das sollte Jürgen Klinsmann aufgrund seiner Vita eigentlich wissen – und deshalb stößt sein Hauruck-Rücktritt als Trainer bei Hertha BSC Berlin besonders bitter auf. Der Gedanke, dass der Weltmeister von 1990 nun den vermeintlich leichten Weg wählt, nur weil nicht alle seiner Meinung sind, kommt automatisch. Genauso die Erkenntnis: Der Schwabe hat sich als Bundesliga-Trainer endgültig ins Abseits gestellt.

Das eigene Image bedeutet im Profi-Sport zwar sehr viel, längst aber nicht alles. Das wird Klinsmann künftig zu spüren bekommen. Der 55-Jährige hat durch sein dünnhäutiges Verhalten endgültig klargemacht, dass für ihn eben nicht die Entwicklung von Hertha BSC im Vordergrund steht, sondern einzig er selbst. Dass „Klinsi“ nun die Verliererrolle übernehmen muss, lächelt er weg. Wenn’s doch nur so einfach wäre, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Seltsame Denkweise

Seine magere Bilanz trotz Millionen-Transfers spricht für sich. Der Gipfel des Klinsmannschen Krisenmanagements beim Hauptstadtclub ist allerdings, die Fortführung seines Postens im Aufsichtsrat. Er will jetzt tatsächlich in entscheidender Position dabei mitwirken, das von ihm verursachte Chaos zu beseitigen, obwohl das Vertrauensverhältnis zu vielen Entscheidungsträgern im Verein nachhaltig gestört sein dürfte. Allein diese Tatsache verrät viel über sein Ego.

Wenn sich Investor Lars Windhorst diesen Schlingerkurs wirklich gefallen lässt, muss man sich um die Zukunft der Hertha die größten Sorgen machen. Die Berliner brauchen in dieser Krisensituation unbedingt einen Boss, der den Mut hat, einen Schlussstrich zu ziehen, Klinsmann fehlt offensichtlich der Mumm dazu.

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