Kommentar

Klöckners Verdienst

Archivartikel

Hagen Strauß über die Probleme der Forstwirtschaft: Dass die Rettung des Waldes so hohe Priorität hat, liegt am guten Krisenmanagement der Ministerin

Erinnerungen werden wach. An die 1980er Jahre, als das Waldsterben die Deutschen aufrüttelte und Zigtausende auf die Straße trieb, um gegen den „sauren Regen“ und für schärfere Umweltauflagen zu demonstrieren. Mit Erfolg. Soweit ist es heute noch nicht. Aber dem deutschen Wald geht es angesichts der Klimaveränderungen und der damit verbundenen langen Dürreperioden mindestens so schlecht wie damals.

In Deutschland haben Hitze oder Borkenkäfer ganze Wälder dahin gerafft. Politisch besteht überhaupt kein Zweifel daran, gegensteuern zu müssen. Das ist nicht nur, aber auch der Verdienst von Agrarministerin Julia Klöckner. Sie hat angesichts des Problemdrucks das Thema für sich entdeckt, sicherlich publikumswirksam. Das gehört zur Politik dazu. Klöckner hat sich akribisch eingearbeitet und war in den vergangenen Wochen bei unzähligen Terminen vor Ort. Neuerdings gibt es in ihrem Ressort sogar einen Waldbeauftragten. Krisenmanagement – das kann die Rheinland-Pfälzerin. Das hat die CDU-Frau auch schon im vergangenen Jahr gezeigt, als sie wegen der Ernteschäden den nationalen Notstand ausrief und Finanzhilfen für die Bauern auf den Weg brachte. Dass einige Länder sich seinerzeit schwertaten, die Gelder abzurufen und auszuzahlen, lag nicht in der Verantwortung der Ministerin.

Beim Wald hat Klöckner freilich nicht so ein leichtes Spiel. Allein im vergangenen Jahr sind über 110 000 Hektar Forst verlorengegangen. Den Wald von der Struktur her sinnvoll und damit klimaresistent aufzuforsten, wird weitaus teurer als Landwirte mit ein paar Millionen wegen einer schlechten Ernte zu entschädigen.

Klöckner selbst hofft auf eine halbe Milliarde Euro aus dem Klimafonds, die Branche spricht jedoch von mehr als zwei Milliarden Euro, die benötigt werden. Beim Waldgipfel Ende September droht somit massiver Streit um die Höhe der Mittel. Für viele Waldbesitzer ist ein Baumbestand weggebrochen, in den über Generationen hinweg investiert wurde. Zur Wiederaufforstung braucht es viel Zeit und Personal, an dem es besonders mangelt. Und es macht auch erst dann Sinn, wenn zuvor die immense Menge an Schadholz abgeräumt ist. Bisher weit mehr als 70 Millionen Festmeter. Das wird eine weitere Herkulesaufgabe. Land- und Forstwirte, vor allem die Kleinstwaldbesitzer sind gar nicht in der Lage, dies allein zu stemmen. Doch wer soll das leisten? Damit ist nur ein Teil der Probleme beschrieben. Den Wald zu retten, ist eine komplizierte Aufgabe. Er muss aber gerettet werden. Das hat die Branche verstanden, die Ministerin zum Glück auch.