Kommentar

Klug, aber unrealistisch

Hagen Strauß zu höheren Steuern für einige Lebensmittel

 

Beim Wort "Steuererhöhungen" reagieren die Bundesbürger allergisch. Das ist auch der Grund, warum die Politik dieses heiße Eisen möglichst nicht anfasst. Selbst dann nicht, wenn die Forderung mit einer überzeugenden Idee verbunden ist. Bereits heute ist mehr als die Hälfte der Deutschen zu dick. Die Folgen sind ernsthafte Krankheiten und steigende Kosten für das von der Allgemeinheit finanzierte Gesundheitssystem.

Einig sind sich alle, dass sich das Ernährungsverhalten vieler Bürger ändern muss. Was also Ernährungsexperten jetzt vorschlagen, nämlich ein ausgewogen gestaffeltes Mehrwertsteuersystem mit höheren Steuern für besonders zuckrige Lebensmittel und Steuerfreiheit für gesunde Nahrung, klingt sinnvoll. Das ist keine Bevormundung, sondern ein Anreiz.

Viele Länder haben bereits solche Systeme eingeführt und gute Erfahrungen damit gemacht. Weil erkennbarer wird, was gesund ist und was nicht. Außerdem müssten die Hersteller die Rezepturen wohl anpassen und weniger Fett und Zucker verwenden, um ihre Produkte weiter an den Kunden bringen zu können. Die Verbraucher bekämen somit bessere Lebensmittel entweder zum selben oder zu einem günstigeren Preis.

Klingt zu schön, um wahr zu werden. Denn wenn man weiß, wie einflussreich die Lebensmittelindustrie ist, und wie zaghaft die Politik zuletzt zum Beispiel beim Thema Reduzierung von Zucker agiert hat, dann ist klar, dass dieser Vorschlag zwar die Debatte belebt. Aber seine Umsetzung dürfte ein frommer Wunsch bleiben.

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