Kommentar

Kölner Probleme

Alexander Müller zur Situation beim Aufsteiger

Es war ein praktischer Zufall: Einen Tag vor Bekanntgabe seines Wechsels zum 1. FC Köln konnte sich Achim Beierlorzer als Noch-Trainer des Gegners Jahn Regensburg genau anschauen, warum sein neuer Verein zwar in die Fußball-Bundesliga aufsteigt, aber in der aktuellen Zusammensetzung keineswegs bundesliga-tauglich ist.

Das 3:5-Heimdebakel gegen die Oberbayern legte schonungslos alle Probleme offen, die die Kölner beseitigen müssen, wenn es nicht nur das nächste kurze Gastspiel im Oberhaus geben soll. 46 Gegentore schluckten die Rheinländer in ihrer Zweitliga-Meistersaison – nur sechs weniger als beispielsweise Absteiger Magdeburg. Das ist viel zu viel. Ohne signifikante Verstärkungen in der Defensive, in der auch der einst als kommender Nationaltorwart gehandelte Timo Horn eine äußerst wechselhafte Saison spielte, drohen in der Bundesliga regelmäßig richtige Abreibungen.

Dass die Balance und Stabilität in der Mannschaft überhaupt nicht stimmte, lag auch an Fehlern in der Kaderplanung von Manager Armin Veh. In Köln reden sie gehässig vom „Rollator-Mittelfeld“, wenn die Sprache auf Marco Höger und Johannes Geis kommt, die zwar Champions-League-Einsätze in ihrer Vita aufweisen, aber generell über zu wenig Tempo verfügen, um die Reihen vor der Abwehr wirkungsvoll zu schließen.

Köln stieg nur deshalb auf, weil die individuelle Qualität – gerade in der Offensive mit Jhon Cordoba, Simon Terodde und später Anthony Modeste – in einer schwachen 2. Liga ausreichte. Mit dem hochkarätigen Kader, der dem ersten Bundesliga-Meister zur Verfügung stand, hätten statt 62 oder 65 Punkten am Ende allerdings mindestens 80 Zähler zu Buche stehen müssen. Doch dem kurz vor dem Saisonfinale geschassten Trainer Markus Anfang gelang es so gut wie nie, aus der vorhandenen Extraklasse – zumindest für Zweitliga-Verhältnisse – ein stabil funktionierendes Korsett zu formen. Diese komplizierte Aufgabe kommt nun auf seinen Nachfolger Beierlorzer zu.

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