Kommentar

König der Athleten

Archivartikel

Jürgen Berger zum WM-Titel von Zehnkämpfer Niklas Kaul

Niklas Kauls grandiose Zehnkampf-Leistung ist ein Glücksfall für die deutsche Leichtathletik. Der 21-Jährige hat Gold absolut verdient, weil er gezeigt hat, was mit unbändigem Willen und mentaler Stärke möglich sein kann – diese Erfolgsgeschichte, die zum Sportler-Märchen taugt, sollte dem DLV-Team einen positiven Schub für die verbleibenden WM-Tage geben, wo auch Weitspringerin Malaika Mihambo ihren Titel-Traum verwirklichen möchte.

Kaul ist ein Überflieger, der mit seiner positiven Ausstrahlung begeistern kann. Doch gerade im Zehnkampf ist langfristiger Erfolg schwer planbar. Keine andere Disziplin bietet mehr Risikofaktoren. Ein kleiner Patzer oder eine Verletzung – und alle Hoffnungen sind zerstört. In Doha erwischte es seinen höher eingeschätzten Teamkollegen Kai Kazmirek und den Topfavoriten Kevin Mayer aus Frankreich.

Solche Beispiele gibt es immer wieder – auch im deutschen Lager. Vor einem Jahr war Arthur Abele als Europameister der gefeierte Held, bei der WM war er aufgrund anhaltender Probleme im Fußgelenk nicht am Start.

Trotz dieser Unwägbarkeiten besitzt Kaul alle Voraussetzungen, um dauerhaft zu einem Gesicht der deutschen Leichtathletik zu werden. Der Student, der bei seiner Aufholjagd von Magenkrämpfen geplagt wurde, hat am ersten Wettkampftag noch jede Menge Luft nach oben. Das macht Mut für einen weiteren Höhenflug bei den Olympischen Spielen in einem Jahr.

Zum Thema