Kommentar

Kolumbien braucht Hilfe

Tobias Käufer über Kolumbiens neuen Regierungschef: Allein kann er die enormen Probleme des Landes nicht bewältigen

Die Übergabe der Amtsgeschäfte von Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos (66) an seinen rechtskonservativen Nachfolger Iván Duque (42) ist mehr als nur ein Generationswechsel.

Was in Kolumbien passiert, hat Einfluss auf den Rest der Welt. In keinem anderen Land wird mehr Kokain produziert. Der ungehemmte Kokskonsum in Europa und den USA hat dramatische Auswirkungen auf die Demokratien in Mittel- und Südamerika, die durch Korruption destabilisiert werden. Der Kokskonsum finanziert brutale rechte paramilitärische Banden und linke Guerillagruppen.

In Kolumbien tobt nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen der Santos-Regierung und der inzwischen entwaffneten und zur Partei umgewandelten Farc-Guerilla ein brutaler Machtkampf um die freigewordenen Drogenanbaugebiete und Vertriebsrouten. Neoparamilitärische und linke Guerillabanden versuchen, ihr Stück vom Kuchen abzubekommen. Das Ergebnis: eine neue Koksflut, die auch nach Europa hinüberschwappt. Auch deshalb werden jede Woche Menschenrechtler und soziale Aktivisten ermordet, die sich diesen skrupellosen Gruppen in den Weg stellen.

Und Kolumbien hat noch eine zweite gewaltige Aufgabe zu stemmen: Mit der Flüchtlingskrise aus Venezuela wird Kolumbien weitgehend alleine gelassen. Der Fokus der NGOs liegt auf dem Mittelmeer. Mit der Hilfe für die eine Million Venezolaner, die in den vergangenen Jahren nach Kolumbien gekommen sind, können sie keine publikumswirksamen Schlagzeilen produzieren.

Kolumbiens neuer Präsident Duque braucht aber die Unterstützung Europas, wenn er das Land voranbringen soll. Es braucht internationalen Druck auf die Regierung, um die Fortführung des Friedensprozesses zu garantieren und die Flüchtlingskrise sowie den Kampf gegen den Drogenhandel zu bewältigen.