Kommentar

Komfortable Situation

 

Die wirtschaftliche Entwicklung ist hervorragend, die Situation am Ausbildungsmarkt ebenso. Gerade in Baden-Württemberg mit seinen vielen global agierenden Konzernen und einem breiten Mittelstand haben junge Menschen sehr gute Karrierechancen – ob mit oder ohne Hochschulabschluss. Dass sogar mehr als 7500 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden konnten, beweist, wie komfortabel die Lage ist.

Letzteres zeigt auf der anderen Seite auch auf, dass viele Betriebe Probleme haben, überhaupt geeignete Auszubildende zu finden. Deswegen müssen Politik und Wirtschaft an zentralen Stellschrauben drehen: So ist eine bessere Steuerung von Angebot und Nachfrage nötig. Dies ist nur dann möglich, wenn Berufsberater und Lehrer den Schülern auch für Jugendliche unattraktive Berufe schmackhaft machen. Dazu gehören etwa Maler oder Bäcker – Berufe, die wegen einer hohen körperlichen Belastung, teilweise unattraktiven Arbeitszeiten und einer eher schlechten Bezahlung kein gutes Image beim Nachwuchs haben. Dass aber auch hier durch Meisterbrief und mögliche Selbstständigkeit mit Blick auf Karriere und Verdienst etwas aufgebaut werden kann, ist oft nicht im Bewusstsein der Schüler. Gerade Betriebe aus diesen Bereichen hätten ohne Flüchtlinge einen noch größeren Nachwuchsmangel.

Junge Asylsuchende sind oft zu Arbeiten bereit, für die sich die einheimische Jugend zu gut ist. Auch das gehört zur Wahrheit.

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