Kommentar

Kommentar zu Vereinsfusion in Heddesheim: Bevor es zu spät ist

Archivartikel

Anja Görlitz zu den Fusionsplänen von TG und ATB

Man darf sich das nicht als Spaziergang vorstellen. Eher als Langstreckenlauf. So plausibel die Argumente für eine Fusion der beiden Heddesheimer Sportvereine ATB und TG auch sind: Vereinsleben ist nicht nur Vernunft. Es ist, gerade im Sport, auch sehr viel Leidenschaft. Für eine gemeinsame Sache, ein Ziel, das Miteinander, das Dabeisein und Zusammengehören.

Gut 110 Jahre gibt es den Arbeiter-Turnerbund, fast 130 die Turngemeinde Heddesheim. Da kommt einiges an emotionaler Bindung zusammen. Dass beide Vereine dieselben Wurzeln haben und sich Anfang des 20. Jahrhunderts die turnenden Genossen von ihren bürgerlich-konservativen Sportkameraden abspalteten, mag heute nur noch eine Anekdote sein. Auch, dass man sich danach viele Jahre in Konkurrenz gegenüberstand und Vereinigungsversuche scheiterten: längst vergessen. Gleichwohl gibt es hier wie dort Menschen, die sich seit Jahrzehnten für „ihren“ Verein engagieren, sich mit ihm identifizieren, ihn nach außen verkörpern. Sie alle mitzunehmen im Prozess des Zusammenwachsens, ist eine große Herausforderung.

Dass sich die beiden Vereinsspitzen dieser Aufgabe stellen wollen, verdient Respekt. Akute Not herrscht angesichts der Mitgliederzahlen schließlich nicht. Stattdessen aber die Einsicht, dass Konkurrenzdenken, Eitelkeiten und nostalgisches Fahnenschwenken keinem Verein die Zukunft sichern. Zu vielfältig sind die Freizeitmöglichkeiten für Jung wie Alt – bei immer knapper werdender Zeit. Das muss man nicht gut finden. Aber man sollte sich dem stellen, bevor es irgendwann zu spät ist.

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